Eine Freundin sagte mal zu mir, wenn sie noch einmal entscheiden dürfte, wann sie Kinder bekommen wird, dann würde sie in jüngeren Jahren Mutter werden.

„Da ist man einfach deutlich entspannter!“

Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Je älter man wird, umso anstrengender werden Kinder. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass wir zu lange ein freies Leben geführt haben. Wir mussten auf niemanden Acht geben. Waren mehr oder weniger nur für uns selbst verantwortlich. Haben Geld verdient, das wir nur für uns ausgeben konnten und haben uns entsprechend eingerichtet.

Kinder interessiert es nicht, was für schöne Möbel wir haben, welche Klamottenmarken wir tragen, dass man lieber abends ins Restaurant geht und man ab einem bestimmten Alter einfach seinen Schlaf braucht. Kinder handeln immer aus ihren Bedürfnissen heraus. Sie leben noch Urinstinkte und das ohne Rücksicht auf Verluste. Diese sind nämlich hauptsächlich bei uns Eltern zu verzeichnen.

Wem ist es bitteschön nicht so gegangen, dass man sich vor der Geburt des eigenen Kindes das perfekte Kind vorgestellt hat. So hätte man es natürlich nie genannt und kein Mensch will ein perfektes Kind. Aber irgendwie konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass es bei mir auch so laufen würde, wie Eltern von kleinen Kindern abgeschlagen und ernüchtert berichteten. „Ach, bei uns wird das ganz anders laufen! Ich bin doch auch anders und mein Kind wird auch ganz anders sein…!“

Es ist zum einen nachvollziehbar, dass man zu Beginn denkt, alles anders machen zu können. Individualität wird heute ja großgeschrieben. Aber andererseits frage ich mich auch, wie man erwarten kann, dass die Kinder sich einfach an den Lebensstil der Eltern so ohne weiteres anpassen können. Das geht leider nicht und es ist – nach meinem Verständnis – ein ziemlich egoistischer Gedanke.

Tut mir leid, wenn ich damit der ein oder anderen Leserin auf die Füße trete, aber unsere Kinder können am wenigsten dafür, dass wir uns als weitere Errungenschaft nach dem Labrador (wobei aktuell sind es wohl die Weimaraner) nun sie ins Haus holen.

Nachdem manche von uns studiert, andere schon früh gearbeitet haben, wir auf Weltreise waren oder zumindest einige entspannte kinderfreie Urlaube verbracht haben, vielleicht Karriere gemacht und wichtig mitgemischt haben, uns eine schöne Wohnung mit Bodenvasen, hellem Sofa und entsprechendem TV-Equipment zugelegt haben. Nachdem wir es gewohnt sind, regelmäßig in Restaurants, Bars und zum Tanzen zu gehen. Nachdem wir mindestens einmal im Jahr Skifahren oder im Wellnessurlaub sind und eine Reise in ein Land antreten, das mindestens neun Stunden Flug entfernt ist.

Klar, ist es dann ein krasser Schnitt, wenn das plötzlich nicht mehr geht. Und das wird den meisten auch erst bewusst, wenn das kleine Wunder eingezogen ist.

Da ist es mit dem Weimaraner schon einfacher. Den kann man leichter in die Tierpension oder zu einer Freundin geben. Und wenn er die Sofakissen zerbeißt, dann kommt er halt in den Flur…

Aber zu erwarten, dass ein Kind sich an die Erwachsenenwelt anpasst, ist nicht realistisch und auch nicht angebracht.

Natürlich muss ich nicht alles aufgeben, was mir wichtig ist und was ich gerne tue. Das wäre auch völlig kontraproduktiv.
Aber wenn ich mich dafür entscheide, dass ich ein Kind bekomme, dann entscheide ich mich nun mal auch für alles, was dazu gehört. Und dann weiß ich, dass ich erst einmal nicht mehr jeden Samstag im Restaurant essen gehe und dass ich einen Großteil meiner Aufmerksamkeit vorerst einem anderen Menschen widmen werde, der darauf angewiesen ist und der mich braucht. Wenn ich erst Mitte oder gar Ende 30 ein Kind bekomme, dann hatte ich doch echt eine lange Zeit, die nur mir galt. Ich hatte all die schönen und entspannten Dinge, die sich meist dem schönen Schein widmen.

Ist es dann wirklich zu viel verlangt, sich auf die Belange der Kinder einzulassen und sich selbst ein Stück weit zurückzunehmen? Warum fällt das vielen so schwer?

Damit meine ich nicht, dass wir Eltern auch einfach mal platt und müde sind und dann unsere Ruhe wollen oder wenn wir krank sind Verständnis und Schlaf einfordern dürfen.
Das müssen wir sogar und steht hier nicht zur Debatte.
Schließlich sind wir keine Maschinen und ich spreche hier auf keinen Fall von Selbstaufgabe!

Mir geht es um allgemeine Punkte im Familienalltag. Darum, dass von den Erwachsenen oft versucht wird etwas durchzudrücken, was sie vor den Kindern problemlos machen konnten und jetzt nicht mehr. Wenn dann z.B. ein Restaurantbesuch nicht so entspannt abgelaufen ist wie gedacht, ist man genervt und enttäuscht. Die Kinder können dafür jedoch am wenigsten. Es sind die falschen Vorstellungen der Erwachsenen, nicht das Kind, das von Natur aus nicht lange ruhig sitzen kann und eine Beschäftigung braucht.

Warum müssen sich die Schwächeren und Unerfahrenen nach den Stärkeren und Erfahrenen richten und nicht umgekehrt?

Unsere Kinder lernen von uns, nehmen uns als Vorbild und für lange Zeit sind wir das Wichtigste für sie im Leben.

Aber können wir nicht auch unglaublich viel von unseren Kindern lernen?

Nämlich wieder bewusst zu leben. Zu spüren, was es bedeutet für jemand anderen zu leben. Der wichtigste Mensch im Leben eines anderen zu sein. Ohne Bewertung. So wie wir sind. Wie traurig wäre ich, wenn ich dieses Vertrauen verspielen würde und sich die Meinung meiner Kinder über mich ins Negative verwandeln würde.

Wir mit unserem Alltagsstress. Das macht das Elternsein so anstrengend. Weil die Kinder durch unseren Stress, durch unsere Ansprüche an uns und sie unentspannt werden.
Sie entschleunigen dann erst recht. Je mehr wir drängen und Druck ausüben umso langsamer und gegenteilig verhalten sie sich.

In meinen Augen müssen wir uns nicht aufgeben, wenn wir uns auf die neue Elternrolle einlassen.
Wir dürfen es einfach mit anderen Augen betrachten. Es ist ein völlig neuer Lebensabschnitt, den wir (meistens) freiwillig gewählt haben und der wunderschön sein kann, wenn ich mich darauf einlasse. Mit all seinen Herausforderungen und Anstrengungen, die er mit sich bringt.

Dieser Lebensabschnitt öffnet den Weg für viele kleine Wunder, die wir erleben dürfen.

Wir erleben ein eigenes Wachstum, entdecken neue, alte Werte, die wir aus unserer Kindheit vielleicht kennen und dürfen die Welt zusätzlich mit den Augen eines Kindes betrachten.

Wenn man in den 20iger Jahren Kinder bekommt, dann hat man vieles noch nicht erlebt und vermisst es dann vielleicht auch nicht so sehr. Ich war damals mit Sicherheit auch noch deutlich entspannter und hätte den wenigen Schlaf deutlich besser verkraftet und weggesteckt.

Aber ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass ich viel Erfahrung sammeln durfte, was Freiheit und Beruf angeht. Ich konnte sagen, dass ich viel erreicht habe und viel erleben durfte.
Dann war ich bereit das nächste Abenteuer anzugehen.

Spät Eltern zu werden, bringt auch mit sich, dass man nicht das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man jetzt Kinder bekommt. Man hat viel Erfahrung, die man weitergeben kann und ist in einigen Erziehungsfragen eventuell auch schon etwas vernünftiger.

Wir sollten nur eines nicht vergessen.
Kindern ist es völlig egal, wie alt wir sind und was wir ihnen alles Tolles bieten können.
Sie wollen Eltern, auf die sie zählen können. Die auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihnen zuhören, wahrnehmen, wenn sie etwas bedrückt und auch mal den Erwachsenen auf die Seite packen und mit ihnen Quatsch machen.

Das geht in jedem Alter!

 

Vielleicht sollten wir uns alle auch einfach mal ein bisschen entspannen.
Weniger Perfektionismus dafür mehr Normalität.
Jeder sollte sich in diesem Zusammenspiel zwischen Eltern und Kindern wohl fühlen.
Es liegt aber an uns Eltern das umzusetzen. Wenn sich jedes Elternteil drei Dinge rauspickt, die ihm wichtig sind und die es gerne wieder oder endlich einmal umsetzen will, dann kommt keiner zu kurz.
Mir ist dabei aufgefallen, dass ich z.B. gemeinsame Ausgehabende mit meinen Freundinnen wieder viel mehr wertschätze und sie in vollen Zügen genieße.
Ich gehe jedes Mal mit einer großen Dankbarkeit und glücklich nach Hause (was nicht nur am Wein liegt) und freue mich, dass mich dort keine leere Wohnung erwartet.

Was für eine Bereicherung!

Herzlichst
Eure Susanne

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