Viele Diskussionen bzgl. Kinder kriegen, drehen sich um die „armen“ Frauen, die ihre Karrieren beenden müssen und dann einen erschwerten Wiedereinstieg haben, wenn sie 1 Jahr oder sogar länger draußen waren.

Nüchtern betrachtet mag das vielleicht so sein, aber was haltet ihr davon, wenn wir das Ganze einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen.
Das Jammern nützt uns doch nur bedingt was. Noch, können nämlich nur wir die Kinder bekommen und mal ehrlich: wenn man sich den ein oder anderen Kerl so ansieht, hoffe ich, dass das auch so bleibt…;-)

Es ist doch eine einzigartige Chance, die nur uns Müttern vorbehalten ist.
Wie bekommt man denn sonst völlig legitim und ohne Diskussion eine Auszeit vom Arbeitsalltag?
Besonders die 6 Wochen vor der Geburt, in der wir in Deutschland bereits freigestellt sind, gehören zum 1. Mal nur uns.

Ich fand es einfach nur unglaublich als mir das bewusstwurde.
Als ich plötzlich zu Hause war, habe ich eine Woche gebraucht, bis ich mir erlaubt habe auszuschlafen und einfach mal nichts zu machen.
Erst dann habe ich langsam begriffen, dass das die erste und wahrscheinlich vorerst einzige Zeit sein wird, in der ich mich unentschuldigt nur um mich und mein Wohlbefinden kümmern darf. Ich war ja schwanger und nicht arbeitslos, krank oder faul…

Das hat so gut getan und ich denke noch heute sehr gern an diese Wochen zurück.
Klar können die körperlich auch anstrengend sein und es gibt viele Frauen, die keine entspannte Schwangerschaft haben.
Mir ist es aber wichtig einmal auf diesen positiven Aspekt aufmerksam zu machen.
Der wird nämlich sehr häufig übersehen.

Die Männer müssen sich für so eine Auszeit unbezahlten Urlaub nehmen oder einen Burn Out haben.

Wir sind einfach mal 1 Jahr raus (meistens jedenfalls) und dürfen uns „nur“ um unser Baby und um uns kümmern. Wir müssen erst einmal an nichts Anderes denken und unsere Welt verändert sich komplett! Wir verändern uns!

Wir sind entschuldigt und müssen uns für nichts rechtfertigen.
Keiner kann sagen, dass wir faul zu Hause rumliegen und dem Staat auf der Tasche liegen. Im Gegenteil! Wir sorgen für die Zukunft unseres Landes (um es mal ganz patriotisch auszudrücken).

In den ersten Monaten haben wir Stress und es ist anstrengend sich in dem neuen Leben, in der neuen (Mutter)Rolle einzufinden, aber dann kommt eine Zeit in der wir sehr wohl Babys Schlafzeiten für uns nutzen können.
Wir können uns Gedanken über unsere Zukunft machen.
Viele Frauen merken, dass sie jetzt ganz anders denken, als zu der Zeit, in der das Baby noch nicht da war. Plötzlich will man doch nicht mehr so schnell in diesen Job zurück. Ist es wirklich noch das, was ich will? Bin ich das noch?
Oder: uns wird wieder bewusst, was wir an unserem Job so geliebt haben. Was gut war und wie viel Spaß wir hatten.

Eine Auszeit zu haben und sich Gedanken über das weitere, eigene Leben zu machen. Aus einem gewissen Abstand heraus auf die Arbeit zu blicken und entspannt, ohne Druck, diese bewerten.
Das ist doch eigentlich richtig toll und wir sollten das für uns nutzen und uns darüber freuen, anstatt über dieses Schicksaal ständig zu lamentieren.

Ich kann mich als Frau gegen ein Kind entscheiden.
Ich kann immer sagen, dass ich lieber in meinem Job bleibe und mein aktuelles, freies, eigenbestimmtes Leben nicht aufgeben will. Das ist völlig in Ordnung und jeder darf das für sich entscheiden!

Aber wenn wir uns für ein Kind entscheiden, finde ich es dem Kind gegenüber unfair, dass wir es gleichzeitig als Belastung und „Karrierekiller“ hinstellen.

Uns selbst tun wir damit auch keinen Gefallen, wenn wir diese wundervolle Zeit und dieses unglaubliche Glück davon überschatten lassen.

Warum ist es denn unfair, dass die Männer keine Kinder bekommen und wir diese Bürde auferlegt bekommen haben?
Ist es denn nicht ein unfassbares Glück, dass wir solche Wunder erschaffen können? Nur wir dürfen erleben, was wir alles leisten können.
Wir erschaffen ein neues wundervolles Leben.
Wir geben ihm Liebe und sorgen dafür, dass es groß wird.
Gleichzeit sorgen wir für unsere Familie und halten sie stabil.

Wir Frauen können so unglaublich stark sein, dass wir darauf stolz sein müssen!

Ich möchte niemandem sagen, wie er sein Leben gestalten soll und es gibt selbstverständlich soziale Gegebenheiten, die es nicht zulassen, dass wir lange aus dem Job raus sind.
Aber viele von uns, können diese Zeit genießen und ich finde wir sollten sie nutzen.
Als Auszeit von der schnelllebigen Arbeitswelt, die uns selten zeigt, was wirklich wichtig ist. In der uns häufig vor Augen geführt wird, dass wir von einem Tag auf den anderen nicht mehr von Wert sind, wenn wir einmal nicht so funktionieren, wie die es sich vorstellen.

Ich kenne einige, die mit ihrem Job nicht mehr zufrieden sind und sich gerne auf etwas Neues besinnen wollen. Aber einfach alles hinschmeißen, zu kündigen um dann zu überlegen, wie es weitergeht, trauen sich die wenigsten. Vielen täte eine Auszeit gut, in der sie die Gelegenheit haben, in Ruhe die aktuelle Situation zu betrachten und zu überlegen, wo es langgehen soll. Durch die Elternzeit bin ich legitim raus. Klar habe ich nicht wirklich Ruhe! Im Gegenteil!
Aber ich bekomme Abstand und der Schritt einen neuen Weg einzuschlagen, fällt nicht mehr ganz so schwer.

Diese Zeit, in der meine Kinder noch klein sind und mich brauchen, geht so schnell vorbei. Jetzt kann ich sie erleben und genießen.
Ich weiß, was ich bisher geleistet habe und wenn ich Kinder, Mann, Haushalt, Verwandte, Freunde, … unter einen Hut bekomme, dann schaffe ich es auch wieder in das Berufsleben einzusteigen.
Dann aber mit einem Sack voller neuer Erfahrungen und Softskills, die für jeden Arbeitgeber wertvoll sind.

Mittlerweile gibt es zum Glück viele Arbeitsmodelle, mit denen Mann Familie und Beruf einigermaßen vereinen kann.
Mir ging es in diesem Beitrag allerdings nicht darum, welches Modell nun das Richtige ist (zu Hause bleiben und/oder arbeiten gehen). Das kann meiner Meinung nach nämlich niemand sagen, denn es ist absolut individuell und für jede Frau anders! Ich finde es nur schade, dass wir uns gegenseitig noch fertig machen für den jeweils anderen Weg. Aber darauf gehe ich nochmal in einem anderen Beitrag ein.
Ich wollte heute die positive Seite ins Licht rücken, die diese Babypause, egal wie lange sie ist, für uns bedeuten kann. Denn das kann man nicht oft genug sagen und wird in meinen Augen noch zu wenig getan.

In diesem Sinne: freut euch über euer Glück eine Frau zu sein, die ein oder mehrere Wunder erschaffen darf!

Es grüßt euch

Eure Susanne

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