Gewaltfreie Kommunikation, Gandhi, Gewaltlosigkeit, Miteinander, Beziehungen,

„Mama, was ist eigentlich böse?“
Mit dieser Frage überraschte mich meine Tochter am Abend, als wir uns beim zu Bett bringen noch ein bisschen unterhielten.

Tja, das war eine gute Frage. Was ist es denn eigentlich?
Spontan fielen mir diverse Dinge ein, die man böse nennen würde.
Tierquälerei, Umweltverschmutzung, Kindesentführung, Gewalt, Krieg, …
Das sind alles schlimme Sachen, aber liegt das Böse nicht auch immer im Auge des Betrachters?

Meine Tochter fragte dann, ob es böse ist, wenn die beste Freundin nicht mehr die beste Freundin ist. Das verneinte ich und plötzlich fiel mir eine Antwort ein, die ich ganz treffend finde:
Böse ist, wenn jemand einem Lebewesen, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze, emotionalen oder körperlichen Schaden zufügt und dabei Freude empfindet.

Mit dieser Erklärung gab sie sich zufrieden und legte sich schlafen.
Ich musste noch ein paar Minuten an ihrem Bett sitzen bleiben und dachte dabei über dieses Gespräch nach.

Das Böse ist vermutlich für die meisten Menschen etwas vordergründig Offensichtliches.
Etwas, das man direkt als solches erkennt.
Dabei, so glaube ich, passieren die meisten bösen Dinge unterschwellig, ohne dass es die Betroffenen sofort benennen können.

Damit meine ich die zwischenmenschliche Kommunikation und das Erheben über den anderen.

Ich kam durch die Frage meiner Tochter bzgl. der besten Freundin darauf.
Denn genau in solchen Fällen handelt es sich meist um ein Problem in der Kommunikation, wodurch eine Partei sich meist verletzt fühlt und die andere es vielleicht nicht einmal bemerkt.
Natürlich kann man das jetzt schwer auf Sechsjährige anwenden. In diesem Alter muss man nicht über Formen der Kommunikation philosophieren, mal davon abgesehen, dass diese Zustände sich minütlich ändern und die Empathie sich in diesem Alter gerade erst entwickelt.

Aber bei uns Erwachsenen bestehen diese Themen ebenfalls.
Mit dem Unterschied, dass man bei uns ein gewisses Maß an Empathie und Reflexion voraussetzen kann und die Möglichkeit an der Art der Kommunikation zu arbeiten durchaus besteht.

Zunächst jedoch steht die Arbeit an uns selbst.
Es ist zu einfach die Schuld dem anderen in die Schuhe zu schieben.

Die fünf Säulen der Gewaltlosigkeit, die Gandhi versucht hat der Welt zu lehren, zeigen, wie wir es schaffen können, besser miteinander auszukommen:

1.     Respekt
2.     Verständnis
3.     Akzeptanz
4.     Wertschätzung
5.     Mitgefühl

Nur wenn wir Respekt und Verständnis für den anderen haben, egal welchen Hintergrund er hat, besteht die Chance, dass man zu einer friedvollen und guten Lösung kommt.
Respekt und Verständnis sind jedoch wenig wert, wenn wir die Meinung des anderen nicht akzeptieren können.
Wertschätzung und Mitgefühl sind wesentlich für unser persönliches Glück und sorgen für mehr Harmonie im menschlichen Miteinander.

Wertschätzung ist ein sehr starkes und transformierendes Gefühl.
Es kann für tiefgreifende Veränderungen in uns sorgen. Allerdings fällt es uns mittlerweile sehr schwer, die Dinge um uns herum noch wertzuschätzen. Von allem ist genug oder zu viel da.
Es fehlt an nichts und das verhindert, dass wir die Schönheit um uns herum nicht mehr sehen.

Arun Gandhi schreibt in dem Buch „Wut ist ein Geschenk“, dass weniger Dinge und weniger Ablenkung zu mehr Dankbarkeit und Wertschätzung führen und somit zu mehr wahrem Glück.

Wertschätzung wahrzunehmen, können wir üben.
Halte jeden Tag einen kurzen Moment inne und nimm etwas, das Du gerade siehst oder erlebst ganz bewusst wahr – Deine spielenden Kinder, ein Pferd auf der Weide, einen Sonnenaufgang, Deinen Partner wie er gerade das Abendessen kocht…
Es ist erstaunlich, was man in solch kurzen Momenten wieder bewusst wahrnehmen und dann auch wertschätzen kann.

„Durch mehr Wertschätzung können wir die Haltung und unsere Perspektive auf unser Leben verändern.“ (Arun Gandhi)

In Konflikten sehen wir sehr oft nicht mehr das, was den anderen für uns liebenswert macht. Wir finden nur noch Beispiele für seine Unzulänglichkeit und wo er unseren Ansprüchen nicht gerecht wird.
Dabei hast Du bestimmt schon gemerkt, dass Kritik selten zu etwas führt. Wenn wir jemandem Vorwürfe machen und ihm dadurch mitteilen, dass er unseren Anforderungen nicht gerecht wird, sorgt das dafür, dass er sich uns entzieht oder sich wehrt.

Wie wäre es, wenn wir anstelle Kritik zu üben, einfach mal ein Lob aussprechen?
Es findet sich immer etwas, das der/die andere Person gut macht.
Dafür kannst Du im Vorfeld auch eine Liste erstellen, auf der Du notierst, was Du an allen Menschen aus Deinem Umfeld wertschätzt. In Momenten des Zweifelns holst Du diese Liste raus und erinnerst Dich.

Gefühle wie Dankbarkeit, Liebe und Großzügigkeit stärken nicht nur das Miteinander, sondern auch uns selbst.

Mitgefühl bedeutet für Gandhi, dass wir bereit sind die Gefühle des anderen selbst zu fühlen. Mit dem Unterschied, dass wir weniger betroffen sind und dadurch helfen können, eine Lösung zu finden.
Letztendlich erkennen wir damit an, dass alle Menschen den gleichen Wert haben und sich keiner über den anderen erheben kann.

Bei Gandhi ging es natürlich um sehr große Angelegenheiten. Aber seine Lehre der Gewaltlosigkeit setzt bei jedem Einzelnen an. Würde jeder von uns nach diesen Säulen leben, gäbe es deutlich mehr Harmonie auf dieser Welt.

Letztendlich geht es um gegenseitiges Verständnis und um die Bereitschaft anzuerkennen, dass ein anderer Mensch andere Ansichten haben kann und diese nicht besser oder schlechter sind, als die eigenen.

Ein wohlwollender Schritt auf den anderen zu, kann bewirken, dass er sich ebenfalls einen solchen Schritt zutraut.
Das ist nicht einfach und es ist notwendig sich diesen Ansatz immer wieder bewusst zu machen. Gleichzeit ist es jedoch auch keine Option mit dem Kopf durch die Wand oder selbigen einfach in den Sand zu stecken.
Veränderung und gute Lösungen erreichen wir nur durch Handeln.


An dieser Stelle ist mir jedoch eines sehr wichtig:

Gandhi hatte keine Möglichkeit, die Institutionen zu ignorieren, die er mit seinen Prinzipien zum Umdenken bringen wollte.
Wir haben das in der Regel schon.
Manchmal müssen wir gut abwägen, wieviel Energieverlust und wieviel Schmerz uns ein Mensch wert ist, dass wir uns auf diesen Weg des Miteinanders einlassen.
Wenn die Bereitschaft des anderen nicht da ist und Du merkst, dass Du für diesen Kampf keine Kraft hast, dann ist es manchmal richtig, loszulassen.

Gut und Böse, sind große Begriffe, die sich nicht so einfach kategorisieren lassen.
Mir fällt auf, dass wir selbiges jedoch sehr schnell tun und Menschen, nach unseren Richtlinien, in die eine oder andere Schublade stecken.


Deshalb lade ich Dich dazu ein, Dich einmal selbst zu überprüfen.

Wo hast Du Ansprüche an jemanden und kritisierst, was Du vielleicht selbst nicht einmal erfüllst?
Wo kannst Du Kritik in Lob oder eine Forderung in eine Bitte verwandeln und so einen konstruktiveren Dialog eröffnen?

Schau genau hin und überlege, ob Du sicher sein kannst, dass Dein Gegenüber das nur tut, weil er/sie Dir damit weh tun will.
Meine Interpretation war: „Böse ist, wer anderen Leid zufügt und dabei Freude empfindet.“

Wenn Du das ausschließen kannst, dann kann es einen Weg geben, der euch zusammenführt anstatt zu trennen.

 

Es grüßt Dich

Deine Susanne

 

Wenn Du Dir Unterstützung bei Konflikten oder bei einem Beziehungsproblem wünscht, dann schreibe mir gerne eine E-Mail oder melde Dich direkt zu einem kostenlosen Kennlerngespräch an. Wir blicken gemeinsam auf Dein Thema und besprechen, wie ich Dir helfen kann.

 

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