Diesen Artikel kannst Du Dir auch gerne anhören.

 

 

„Ich liebe mich!“

Wann hast Du diesen Satz das letzte Mal zu Dir gesagt?
Hast Du ihn überhaupt schon einmal gesagt?

Welches Gefühl kommt in Dir auf, wenn Du diesen Satz liest und einmal laut vorsagst?
Wiederstand?
Sperre?
Enge?
Unwohlsein?

Vielen Menschen geht es so, wenn sie diese Worte hören und sagen sollen.
Den Meisten von uns wurde nämlich etwas ganz anderes seit der Kindheit eingetrichtert.
„Sei bescheiden, nimm Dich zurück, sei nicht zu laut, man stellt sich nicht selbst in den Mittelpunkt, …“
So oder so ähnlich haben es viele von uns gehört und all diese Aussagen verankern in uns, dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen dürfen.
Wenn Du demnach sagen würdest: „Ich liebe mich!“ könnte das als arrogant und selbstbezogen gelten.

Heute will ich Dich fragen, ob das wirklich so ist?

Weiterlesen

Jede von uns wird jemanden kennen, der, egal wann Du sie/ihn sprichst, im selben Drama steckt, wie beim letzten Mal.
Aber man selbst ertappt sich auch gern dabei, dass man immer wieder im selben Drama steckt und aus diesem Muster nicht so leicht raus kommt. Wenn sich das wiederholt und Du jedes Mal unglücklich bist sobald Du an dem Punkt bist, an dem es nicht weiter geht, dann ist es an der Zeit auszubrechen, das Muster aufzulösen und einen neuen Weg zu beschreiten.

Probleme bereiten uns dabei verschiedene Ängste und Zweifel, die uns der Verstand schickt, um uns vor der Veränderung zu „schützen“.

Dafür braucht es u.a. viel positive Bestätigung Deiner Person, Anerkennung und Wertschätzung. Besonders Mütter bekommen davon meist nicht viel und noch weniger geben sie sich diese selbst. Aber wie wäre es, wenn Du heute damit beginnst, Dich und alles was Du tust anzuerkennen und es auch an andere Frauen weiterzugeben?

 

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mein Licht unter den Scheffel stelle und meine beruflichen Erfolge kleiner rede, als sie waren. „Ich kann doch nichts? Wo soll ich mich denn bewerben?“
Und das als ehemalige Führungskraft, die ein Team von 40 Leuten unter sich hatte… Kennst Du das auch? Wir müssen uns viel mehr von Augen führen, was wir in unserem Leben bereits erreicht haben und die Familienzeit gehört definitiv dazu und ergänzt unsere Qualifikationen.
Sie ist keine Auszeit, die man besser verschweigt!
Hier braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft und in der beruflichen Welt.
Die Einstellung, dass man mit 40 keine Karriere mehr machen kann ist total veraltet. Ich habe dann noch 30 Jahre zu arbeiten – warum kann man in so einem langen Zeitraum denn keine Karriere mehr machen. Und warum kann ich die Jahre der Elternzeit nicht hinten dranhängen?

Diese Aspekte werden sehr schön in einem Buch analysiert, auf das ich heute u.a. eingehe und das ich Dir wärmstens empfehlen kann. (unbezahlte Werbung!)

 

Wir alle haben Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Aber so oft lasse wir uns durch die vielen „Abers“ in unserem Kopf davon abhalten, sie wahr werden zu lassen.
Einem Traum nachzugehen macht unglaublich glücklich. Egal wie klein oder groß Deine Wünsche sind – Du darfst ihn verfolgen. Sobald Du das zulässt, wirst Du plötzlich an jeder Ecke auf Inspiration, Motivation und Information dazu stoßen. Du richtest Deinen Fokus darauf aus und Deine Aufmerksamkeit wird automatisch auf dieses Thema gelenkt. Um sich zu verändern, um Wünsche anzustoßen musst Du größer denken.
Ich hatte dazu eine wunderbare Rede von Sabine Asgodom gesehen. In der heutigen Folge greife ich viele Punkte daraus auf und erläutere sie Dir anhand meiner Erfahrungen. Lass Dich dabei inspirieren und ermutigen Deine Sehnsüchte zu leben.

Zum Thema Mutterschaft, Erziehung und Familienleben hat jeder eine Meinung und meint sie gefragt wie ungefragt kund tun zu können. Dadurch lassen wir uns leicht beeinflussen. Viele Frauen machen sich wenig Gedanken darum, wie sie ihr Familienleben wirklich gestalten wollen. Man rutscht da irgendwie rein und folgt dann dem Weg, den die meisten aus dem eigenen Umfeld gehen. Aber ist das auch wirklich Dein Weg? Wie geht es Dir damit? Kannst Du Deine Bedürfnisse aktuell durchsetzen, so dass Du Dich zufrieden fühlst?
Der erste Schritt zu einem Familienalltag, der Dich glücklich macht, ist, dass Du Dir über Deine Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen bewusst wirst und eine klare Entscheidung dazu fällst.

Diesen Artikel kannst Du Dir auch gerne anhören.
Außerdem findest Du ihn und andere Folgen in meinem neuen Podcast: Erkenne die Heldin in Dir – Dein Podcast für mehr Leichtigkeit im Mutteralltag auf iTunes oder Spotify.

 

Ich bin nun wirklich keine große Frau und mache mich von Haus aus deshalb schon immer groß. Schultern zurück, Brust raus, gerader Rücken und nicht zu vergessen „Hacken“ an die Füße. Früher waren die zumindest mindestens 5 cm hoch. Aber kennst Du dieses Gefühl, wenn man plötzlich ganz klein wird? Wenn man merkt, dass man nicht mehr in seiner vollen Größe ist, sondern irgendwo gefühlt unter dem Teppich Platz findet.

Das hat jedoch nichts mehr mit der körperlichen Größe zu tun. Ich kenne 1,80m große Frauen, die sich ganz klein fühlen können, wenn sie in eine bestimmte Situation geraten, in der sie sich unwohl fühlen und sich nicht in ihrer vollen Größe zeigen trauen.

Aber gerade in solchen Situationen wäre es ja eigentlich besonders geschickt, wenn man seine ganze Größe zeigt.

An Männern können wir uns da oft ein Beispiel nehmen. Egal, wie wenig Ahnung sie von etwas haben. Sie können es prima überspielen und man bekommt den Eindruck der Kompetenz in Person gegenüberzustehen.

 

Dieser Prozess findet einzig und allein in unserem Kopf statt.

Nicht die andere Person, mit ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrer Intelligenz oder sonst einem Aspekt, der uns einschüchtert, ist dafür verantwortlich, dass wir uns klein fühlen.

Dafür können nur wir selbst uns die Schuld geben. Meist interpretieren wir etwas in die andere Person hinein und aus uns etwas hinaus. Irgendein Punkt an ihr weckt einen Trigger in uns und der löst diese Gefühle aus.

Es sind Gefühle von Selbstzweifel, Schuld, Scham, Neid und Unsicherheit.
Sie stehen eng in Verbindung mit einer Erinnerung aus unserer Vergangenheit, in der wir eines dieser Gefühle verspürt haben.
Oft ist es auch ein Gefühl von „nicht gut genug sein“.

Dieses Gefühl kennst Du bestimmt auch, denn in irgendeinem Punkt fühlt sich fast jeder nicht gut genug. Nicht schön genug, nicht dünn genug, nicht intelligent genug, nicht Mutter genug, nicht geduldig genug, nicht informiert genug, nicht ausgebildet genug, nicht groß genug,…

 

Aber glaube mir eins – auch das sind wieder ausschließlich unsere eigenen Gedanken und Bewertungen.

Selten hat uns jemand anderes diese Bewertung eingepflanzt.

Natürlich kommt es vor, dass man durch das, was eine andere Person sagt, verletzt wird. Aber Gefühle kann niemand anderes in uns einpflanzen. Sie entstehen aus unseren Gedanken und diese resultieren aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit. Wenn Du Deine Denkmuster und Verhaltensweisen hinterfragst, dann wirst Du immer auf irgendeinen Glaubenssatz stoßen, der schon in frühester Kindheit in Dir entstanden ist und Dich geprägt hat. Gedanken wie: „Ich werde nur geliebt und anerkannt, wenn ich etwas leiste“ oder „Ich bin nicht gut in …“ resultieren aus Aussagen, die uns nahestehende Personen getätigt haben oder Personen deren Meinung für uns wichtig war. Wir alle kennen sie und wir alle haben solche Sätze in uns verankert.

 

Um aus diesen Denkmustern auszusteigen, lohnt sich der Versuch diese mal zu hinterfragen.
Woher kommt dieser Gedanke und wem gehört er? Ist dieser Gedanke wirklich wahr? Ist er tatsächlich wahr und gehört er zu mir? In den meisten Fällen stimmt die Aussage dahinter einfach nicht oder gehört zu einer anderen Person.

Sobald Du das herausgefunden hast, kannst Du Dich entspannt davon verabschieden. Weshalb solltest Du etwas behalten, das nicht Dir gehört? Gib es zurück. Auch wenn Du nicht mehr weißt, wem der Gedanke gehört.

Return to sender!

Das ist natürlich im ersten Moment leichter gesagt als getan. Aber allein das Bewusstsein dafür zu bekommen ist ein gewaltiger Schritt.
Ich wollte einmal Flyer für ein Angebot von mir verteilen und bin losmarschiert, um sie in ein paar Cafés und Läden auszulegen. Und da waren sie plötzlich alle wieder. Diese wundervollen Gedanken von „Bin ich gut genug?“ in den verschiedensten Farben. Ich stand in einem Laden und während ich der Verkäuferin erklärte, um was es ging, merkte ich wie meine Stimme leise wurde und ich nicht in der Lage war mich bzw. mein Angebot so zu vermitteln, dass sie es ebenfalls für gut befindet. Diese Frau hatte ein etwas überhebliches, fast schon arrogantes Auftreten und strahlt großes Selbstvertrauen aus. Aber Achtung! Sie strahlte es aus! Wer sagt mir denn, dass sie das wirklich hat? Vielleicht ist das nur eine Fassade. Eine Schutzmauer, damit ihr niemand etwas antun kann und ihr „Ich-bin-nicht-gut-genug-Gefühl“ aufdeckt.

Ich alleine habe diese Frau bewertet und für mich eingestuft. Nach meiner Interpretation, die aus meinen Erlebnissen bzw. Ängsten resultiert. Mir ist das im Nachhinein aufgefallen und ich habe mich total geärgert – über mich!

 

Schwups war ich jedoch in der nächsten Falle.

Ich habe mich selbst runter gemacht. Dadurch, dass ich mir selbst Vorwürfe mache, warum ich mich schon wieder so klein gemacht habe und mich nicht ordentlich präsentieren konnte, habe ich mich keinen Deut besser gefühlt und die Situation noch mehr aufgebauscht. Es führte zu schlechter Stimmung und negativen Gefühlen.

Ich hätte genauso gut auch Mitgefühl für mich selbst haben können. Zu erkennen, was mir hier wiederfahren ist und mir selbst Empathie und Verständnis entgegenbringen. Das hätte mir viel mehr gebracht!

 

Mittlerweile habe ich dies nachgeholt. Ich bin in das Gefühl gegangen und habe überlegt woher es kommt und ob es wirklich wahr ist, was ich in der Situation über mich und über sie gedacht habe. Schon in der Sekunde in der ich mich das gefragt habe, war mir klar, dass es weder wahr ist, noch dass es zu mir gehört. Es ist totaler Blödsinn so zu denken und doch steckt es offenbar sehr tief.

Aber es geht darum, sich dessen immer mehr und öfter bewusst zu werden. Aufzudecken und zu erkennen. Erst dann kannst Du Schritt für Schritt diese Punkte für Dich auflösen und gestärkt aus dieser Situation gehen. Du hebst regelrecht Dein Bewusstsein auf eine andere Ebene, weil Du plötzlich Liebe für Dich und auch die andere Person empfinden kannst.

Liebe resultierend aus der Empathie, die Du Dir und der anderen Person entgegenbringst, indem Du Verständnis für beide Seiten aufbringst.

 

Es ist kein einfacher Weg und er kann weh tun. Aber dieses gemeine Gefühl von sich klein fühlen und nicht gut genug zu sein, ist noch viel fieser und vor allem hindert es Dich daran, Dich in Deiner vollen Größe zu zeigen. Es hindert Dich am verlassen Deiner Komfortzonen und somit am Wachsen.

 

An dieser Stelle lass Dir noch einmal sagen:

Du bist nicht nur eine Mutter, Du bist eine Heldin!

 

Es grüßt Dich

Deine Susanne

Die Wut auf die eigenen Kinder ist kein schönes Thema, ja es ist nahezu ein Tabuthema. Gerade deshalb möchte ich darüber schreiben, denn ich weiß, dass es viele Mütter gibt, die meine Erfahrungen teilen.

In meinen Augen ist es besonders wichtig, auch die vermeintlich unschönen Themen anzusprechen. Die Themen, für die wir uns schämen, bei denen wir schwach werden und uns als Versagerin fühlen. Es ist nämlich unglaublich erleichternd, wenn wir hören, dass wir damit nicht alleine sind!

 

Ich behaupte, dass Wut bei Familien allgegenwärtig ist. Die Menschen freuen sich immer ungemein, wenn sie eine Familie mit zwei artigen Kindern sehen, die nicht rumschreien und auf ihre Eltern hören. Wenn die Eltern wiederum auf ihre Kinder eingehen und sie alle ein Bild größter Harmonie abgeben. Aber wehe, wenn dem nicht so ist!

Wer kennt sie nicht, die Situation auf der Straße oder noch beliebter, im Supermarkt.
Ein schreiendes, um sich tretendes Kind und eine Mutter, die sich irgendwo zwischen einem dieser vier Verhaltensmuster bewegt:

  1. Beschwichtigen
  2. Maßregeln
  3. Flucht ergreifen (Kind unter dem Arm)
  4. Entspanntes Abwarten

Zumeist wird auf die Reaktion der Mutter geachtet. Wie verhält sie sich. Greift sie zu sehr ein, lässt sie es sich bieten oder bleibt sie entspannt. Egal wie sie sich verhält – es wird falsch sein.

Die Wut beim Kind ist normal und wichtig für die Entwicklung und es gibt tausende von Ratgebern, wie man damit umzugehen hat. Aber was ist mit unserer Wut? Unsere Wut verbirgt sich hinter der Selbstbeherrschung. Hinter Verzweiflung und Scham. Eine gute Mutter kann sich beherrschen. Sie hat sich im Griff. Weiß, wie man die Dinge korrekt und gesellschaftlich anerkannt löst.

 

Mir ist all das bekannt und dennoch gebe ich zu: Ich bin erschrocken, welche Aggression meine eigenen Kinder bei mir auslösen können.

Die Menschen, die ich am meisten auf dieser Welt liebe, können Gefühle in mir auslösen, wie ich sie nicht in mir vermutet habe.

Interessanterweise im negativen wie im positiven. So sehr ich sie liebe, so sehr kann ich auch wütend auf sie sein. Kann man das vielleicht auch nur bei Menschen, die man liebt. Liegen Liebe und Hass tatsächlich so nahe beieinander?

Das Wort „Hass“ empfinde ich als sehr störend im Zusammenhang mit meinen Kindern. Aber es ist schon sehr erstaunlich, wie wütend und gleichzeitig auch hilflos sie mich manchmal machen können. Dieses Gefühl, wie sich die Wut in mir aufstaut, wie es förmlich in mir kocht. Ich kann mir dabei geradewegs zusehen und trotzdem bricht es aus mir heraus.
Es ist meist ein Akt der Verzweiflung, des nicht Weiterwissens, der Hilflosigkeit und der Müdigkeit. Alles zusammen ist ein mäßig hilfreicher Cocktail und er lässt mich dann doch all die Dinge machen, die ich mir so fest vorgenommen habe, nicht zu tun:
Brüllen, Drohen, Wenn-Dann-Sätze, bis drei zählen …
Am schlimmsten finde ich aber das Gefühl, das mich manchmal überkommt, dass ich sie am liebsten schütteln würde. Fast schon ein Gefühl von: ich will Dir wehtun.

Das finde ich so unfassbar schrecklich und es fällt mir schwer, hier darüber so offen zu schreiben. Den Satz habe ich mittlerweile bereits dreimal wieder gelöscht und dennoch will ich hier ehrlich berichten, wie es mir manchmal geht.

Ich bin überhaupt kein aggressiver Mensch. Im Gegenteil! Ich hasse Gewalt! Ich sehe ungern Filme mit übermäßig vielen und brutalen Gewaltszenen und ich verabscheue Menschen, die sich nicht unter Kontrolle haben. Denn das habe ich zum Glück! Ich habe mich unter Kontrolle und ich weiß, dass ich meinen Kindern niemals weh tun werde!

 

Mir fällt es besonders schwer, souverän zu bleiben, wenn ich müde bin und viel um die Ohren habe. Dann bringe ich generell wenig Geduld für mein Umfeld auf und dann läuft das sorglose Verhalten der Kinder dazu komplett konträr.

Da bin ich auch schon wieder an meinen erwachsenen Vorstellungen über den Tagesablauf angekommen. Die Kinder haben ihr aktuelles Spiel im Kopf und ich die Uhr und meine Termine. Ich mache Druck, sie Gegendruck bzw. verlangsamen komplett. Es ist unfassbar ermüdend, ständig antreiben zu müssen und trotzdem zu spät zu kommen. Und es macht mich wahnsinnig, wenn ihnen immer noch was einfällt, womit sie mich auf die Palme bringen. Am schnellsten gehe ich allerdings in die Luft, wenn gelacht und gegrinst wird und ich das Gefühl vermittelt bekomme, dass es ihr oder ihm mal gerade völlig am A… vorbei geht, was ich gerade gesagt habe.
Besonders der Kleine mit seinen zweieinhalb Jahren findet es immer total lustig, wenn ich schimpfe. Er nimmt das überhaupt nicht ernst und hat seinen Spaß dabei. Leider vergesse ich dann allzu oft, dass er ja auch einfach erst zweieinhalb Jahre alt ist. Und auch mit viereinhalb Jahren kann ich noch nicht viel Einsicht und vorausplanendes Denken erwarten.  Es liegt an mir, die Situation in den Griff zu bekommen. Nicht an den Kindern! Zumindest noch nicht!

Aber ich muss auch lernen, mir meine Wut zu verzeihen und zu verstehen, weshalb es überhaupt so weit gekommen ist.

Wären es nicht Kinder auf die ich wütend bin, hätte ich und jeder andere, mit Sicherheit sofort Verständnis für mich. Oder würdet ihr euch von jemand anderem bieten lassen, was sich eure Kinder zum Teil erlauben? Interessant ist jedoch, dass wir einen Kollegen oder Freund, der sich so benimmt, niemals in der Art und Weise anreden würden, wie wir es mit unseren Kindern tun. Warum dann also bei den eigenen Kindern? Kommt hier eine Art Machtverhältnis zum Vorschein? Oder ist es einfach die soziale Komponente? Zu nah und eng beieinander. Zu viel Liebe? Wer sich zu häufig sieht, fetzt sich auch mehr und heftiger?

Unsere Kinder sind kleiner, schwächer und unerfahren. Sie sind uns ausgeliefert und auf uns angewiesen. Sie lieben uns (noch) bedingungslos, selbst dann, wenn wir ihnen richtiges Leid zufügen würden.
Wenn wir das Gefühl haben jemand ist auf uns angewiesen, dann verhalten wir uns ihm gegenüber anders, wie wenn er es nicht wäre. Aber bei unseren Kindern haben auch wir eine Art Abhängigkeit. Hier handelt es sich nicht um einen Partner oder einen Kollegen, von dem ich mich im Ernstfall trennen kann. Wir hängen an unseren Kindern fast so, wie sie an uns. Wir lieben sie abgöttisch und wir können uns nicht vorstellen, dass ihnen irgendwer Schaden zufügt.
Ich glaube, dass daraus ein Konflikt in uns Eltern entsteht. Dieser setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen: äußere Umstände (Zeitdruck), körperliches Befinden (Müdigkeit), inneres Empfinden (Liebe), Gefühle (Hilflosigkeit), gesellschaftliche Norm (Beherrschtheit), Verständnis und Unverständnis. Dieser Konflikt löst in uns Wut und Aggression aus, gleichzeitig aber auch Trauer und Verzweiflung.

Wir können versuchen, uns aus solchen Situationen zu lösen und Abstand zu gewinnen.

Das ist nicht immer leicht, denn meistens entstehen sie, wenn wir unter Zeitdruck stehen oder uns in der Öffentlichkeit befinden. Aber egal wie und wo: es gilt zu allererst immer erst einmal durchzuatmen. So oft, bis die Wut zurückweicht. Erst dann kann ich die Situation wieder neutraler und mit Abstand betrachten.

Aber Achtung!
Es ist auch wichtig, dass unsere Kinder sehen, dass wir unsere Grenzen haben.
Auch wir können irgendwann einmal nicht mehr und es ist richtig, wenn die Kinder das verstehen lernen.  Wir dürfen mit uns gnädiger sein und uns Wut und Fehlverhalten zugestehen. Es ist ein Lernprozess für uns alle – auch für unsere Kinder.

Ich denke oft an mich, wie ich mich gefühlt habe, wenn meine Mutter mich angebrüllt hat. Es war nicht schön! Aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt einen Schritt zu weit gegangen bin und habe es mir gemerkt. Zumindest sind einige Szenen noch sehr deutlich in meinem Gedächtnis. Ok. Ich war keine vier mehr, aber das zeigt, ich muss mich auf jeden Fall jetzt schon für weitere fünfzehn Jahre rüsten und es ist mit Sicherheit nicht verkehrt, wenn ich mir heute schon Gedanken mache, wie ich mit meiner Wut umgehen werde.

 

Es grüßt euch
Eure Susanne