Mamas sind nicht nur Heldinnen. Sie sind auch Weltmeisterinnen!

Weltmeisterinnen im Organisieren, abarbeiten, Zeit einteilen, Effektivität, Flexibilität, Vielseitigkeit, Multitasking und vielem mehr.

Ich nehme daher die Fußball WM 2018 zum Anlass uns Mütter einmal mit Fußball und dem Bundestrainer zu vergleichen.
Es gibt einige Parallelen zwischen uns und wir können tatsächlich auch etwas vom Fußball lernen. Das hatte ich zunächst gar nicht erwartet, aber am Ende sind mir sogar noch ein paar Punkte eingefallen, wie ihr die WM auch ein wenig für euch nützen könnt.

Der Bundestrainer, Jogi Löw, hat eine ganze Fußballmannschaft zu betreuen und darunter sind einige Jungs, die mit Sicherheit nicht einfach sind.
Ok, er muss deren Wäsche nicht waschen. Die Jungs tragen keine Windeln mehr und sind auch sonst aus dem Gröbsten raus (die meisten zumindest).
Aber dennoch können wir einiges von ihm lernen.
Wie organisiert er den Haufen, ohne dabei wahnsinnig zu werden? Wie motiviert er die Jungs und wie schaffte er es, dass sie alle auf ihn hören?

1. Er gibt klare Anweisungen.
Hier gibt es keinen Spielraum. Er ist der Trainer und was er sagt, gilt!
Selbstverständlich dürfen sich die Spieler einbringen und Vorschläge machen, aber das letzte Wort hat immer der Trainer.
Auch wir Mütter sind die Trainer unserer Kinder und insgeheim auch der gesamten Familie.
Wir sagen in der Regel, was gemacht wird. Die Organisation aller Geburtstage, Urlaube, Ausflüge, Freizeitprogramme, etc. liegt zu einem Großteil bei uns Mamas und somit sollten wir uns auch als diejenige begreifen, die wir sind – diejenige, die sagt, was getan wird oder eben als die Trainerin.

2. Jeder Spieler kennt seine Aufgaben.
Ein Torwart übernimmt nicht die Aufgabe der Stürmer und umgekehrt.
Ähnlich kann es zu Hause umgesetzt werden, in dem jedes Kind eine bestimmte Aufgabe bekommt, für das es zuständig ist.
Damit überträgst Du Verantwortung und zeigst, dass Du Deinem Kind vertraust. Das macht dein Kind stolz und Dir nimmt es „To Does“ von der Liste. Hier kommt es natürlich auf das Alter Deiner Kinder an. Aber selbst ein Kind von 1,5 kann schon seinen Teller zum Tisch bringen oder etwas in den Müll werfen.

3. So eine Mannschaft funktioniert nur, wenn eine klare Struktur vorgegeben ist.
Kinder lieben Struktur. Es muss ja nicht mega streng zugehen, aber eine grobe Vorgabe, wie der Alltag abläuft, kann viele Diskussionen vermeiden und Dein Leben erleichtern. Hier sind auch feste Rituale, die ihr einführt, eine große Hilfe.
Viele Fußballspieler haben ein Ritual bevor sie aufs Spielfeld gehen.
Hier einmal vier Rituale, die Christiano Ronaldo u.a. vor jedem Spiel durchführt – und diese zahlen sich immerhin richtig aus:
– Bei der Anreise im Mannschaftsbus sitzt er immer in der hintersten Reihe, bei der Anreise mit dem Flugzeug hingegen immer in der vordersten.
– Beim Spielfeld angekommen, betritt er den Rasen zuerst mit dem rechten Fuß.
– Vor dem Anpfiff springt er noch einmal hoch ihn die Luft.
– Im Stadion weiß er genau, wo seine Angehörigen sitzen. So kann er ihnen nach jedem seiner vielen Tore zujubeln.

Rituale innerhalb der Familie können z.B. sein:
– ein Tischspruch
– Eine bestimmte Bett-geh-Zeremonie wie z.B. Schlafanzug anziehen, vorlesen, Gute Nacht Lied
– Kuscheln im Elternbett am Sonntagmorgen
– Mit Papa am Sonntag Brötchen holen
– Am Abend sagt jeder wofür er heute dankbar ist, was seinen Tag schön gemacht hat
– Dienstag = Oma Tag

4. Einmischung von außen hilft nicht.
Sie verwirren, machen unsicher und verhageln am Ende gern das Ergebnis.
Es ist immer gut, sich einen Rat zu holen, aber wenn zu viele Leute von außen reinquatschen, dann kommt selten etwas Gutes dabei raus.
Du kannst entscheiden, wie weit die Einmischung geht und wann Du das Interview abbrichst. Sei Dir bewusst, dass nur Du den 100%igen Einblick in Deine Mannschaft hast. Von außen lassen sich sehr schnell schlaue Ratschläge erteilen. Aber nur Du weißt, was wirklich los ist und somit auch, was richtig oder falsch ist.

5. Jogi Löw kann es nie allen recht machen.
Er hat nie die richtigen Spieler dabei. Er verwendet nie die richtige Strategie und am Ende verhält er sich auch nicht korrekt am Spielrand.
Aber ihm ist das völlig egal. Muss es ja auch! Zu Fußball haben ca. 80 Millionen Menschen in Deutschland eine Meinung und ähnlich ist das auch beim Thema Familie & Co.
Jeder meint, mitgackern zu können – ob gefragt oder ungefragt. Alle wissen sie es besser und am Ende müssen Jogi und auch Du das umsetzen, was ihr für richtig haltet.

6. Jogi Löw hat sehr hohe Ansprüche.
Die Messlatte liegt ja auch sehr hoch. Schließlich geht es darum den Titel zu verteidigen. Das verursacht jedoch enormen Druck. Dieser Druck ist noch größer, wie wenn er als Trainer von Irland antreten würde und endlich auch mal zeigen will, was er kann.
Jeder erwartet, dass seine Jungs super spielen. Sie sind ja die Weltmeister und wehe sie fliegen frühzeitig raus.

Auch Mütter haben riesige Ansprüche – vor allem an sich selbst.
Aber werden wir wirklich besser, wenn wir unter solch gewaltigem Druck spielen? Macht es nicht eher unsicher und in der Erwartung eines Fehlers begehen wir ihn dann meistens auch?
Es stresst ungemein, wenn wir glauben unseren Ansprüchen nicht gerecht zu werden.
Müssen wir denn wirklich immer Weltmeister sein?
Reicht es nicht auch dabei zu sein und Freude am Spiel zu haben?

Ok. Beim Fußball reicht das wahrscheinlich nicht. Ich kann verstehen, dass der Titel verteidigt werden muss und alle Fußballfans wahnsinnig enttäuscht sind, wenn das Ziel nicht erreicht wird und Deutschland frühzeitig nach Hause fliegen muss.
Aber ich denke für uns Mamas gilt das nicht. Wir dürfen auch mal Abstriche machen und müssen nicht in allen Bereichen performen. Was wir uns jedoch abschauen können, ist der Umgang der Fußballer mit den Niederlagen. Sie gestehen sie ein, suchen jedoch immer wieder nach Möglichkeiten, wie es beim nächsten Mal besser klappen wird. Im Fußball herrscht grenzenloser Optimismus und den dürfen wir Mamas uns auf jeden Fall abschauen!

Wie kannst Du die Zeit der WM positiv für Dich nutzen?
Ich habe Dir ein paar Punkte zusammengestellt, von denen ich der Meinung bin, dass sie ganz hilfreich sein können.
Vielleicht sind ja ein oder zwei dabei, die auch für Dich machbar sind. Sie gelten allerdings nur, wenn Du selbst kein großes Interesse an den Spielen hast.

1. Wenn Du eine Jungs Mama bist, schicke Deinen Mann mit den Jungs großzügig zum Fußball gucken und gönne Dir in dieser Zeit etwas, das Dir gut tut. (Massage, Pediküre, Mädelsabend, …)

2. Wenn Du eine Mädchen Mama oder eine Couple Mama bist, dann kannst Du Punkt 1 genauso umsetzen. Schenke Deinem Mädchen einfach auch ein Trikot und sie wird sich ebenso als Fußballfan wahrnehmen ;-)

3. Jetzt ist es ganz einfach Deinen Mann glücklich zu machen und Dich als beste Ehefrau zu präsentieren: habe einfach kaltes Bier auf Vorrat im Kühlschrank, Knabbersachen im Schrank und bestelle Pizza oder Burger. Mit all diesen Sachen hast Du keinen Aufwand, wirst aber Großes bewirken.

4. Du kannst Deinen Junior sechs Wochen lang im Fußballtrikot zur Schule schicken. (bitte dann jedoch wenigstens eine Wechsel-Trikot-Garnitur)
Das bedeutet sechs Wochen lang keine andere Wäsche und kein Gezanke am Morgen bzgl. des Outfits.

5. Verziehe Dich während des Spiels ins Schlafzimmer und lies in Ruhe ein Buch, höre Musik oder schaue eine Serie, die Du sonst nicht ansehen kannst.
Du wirst ganz sicher nicht vorgeworfen bekommen, dass ihr zu wenig Zeit miteinander verbringt.

Mein Sohn hat sein erstes Fußball Trikot bekommen und ist mega stolz darauf, auch wenn er eigentlich noch gar nicht so richtig kapiert, was das eigentlich bedeutet. Ihm ist es zum Glück auch noch egal, dass es sich nicht um ein original Adidas Trikot handelt.
Ich freue mich schon darauf, ihn zusammen mit seinem Papa vor dem Fernseher sitzen zu sehen und fragen zu hören, wer „die Weißen“ und wer „die Blauen“ sind.
Es erinnert mich an meine Kindheit und auch wenn meine Schwester und ich nie besonders Fußball interessiert waren, so fanden wir es trotzdem immer toll, mit dem Papa zusammen ein Spiel zu sehen. Und wenn es nur deshalb war, dass der Fernseher lief.

Meine Tochter saß letztens neben meinem Mann auf dem Sofa und schaute mit ihm Fußball. Die eine Mannschaft war in rot und wurde so auch am Fernseher bei der Ergebnisanzeige dargestellt.

Nach einer Weile sagte sie: „Du Papa, bei der einen Mannschaft ist der Akku fast leer.“

In diesem Sinne, wünsche ich euch eine wunderschöne Fußball–WM–Zeit, in der ihr ein wenig freie Zeit für euch abknapsen und eure Akkus wieder aufladen könnt.

 

Es grüßt euch

Eure Susanne

Diesen Artikel kannst Du Dir auch gerne anhören.
Außerdem findest Du ihn und andere Folgen in meinem neuen Podcast „Erkenne die Heldin in Dir“ auf  iTunes oder bei Spotify.

Vergangenen Sonntag hatte ich einen wunderschönen Workshop zum Thema Stress im Mutteralltag. Wir waren eine kleine aber feine Runde in der Vertrauen und Offenheit herrschten. Eine Mama berichtete, dass sie das Gefühl hat, keiner Seite gerecht zu werden. Egal an welche Stelle sie blickt, überall kommt sie nicht zurecht bzw. ist sie unzufrieden.
Im Job hat sie das Gefühl, dass ihr die Kollegen, seitdem sie Mutter ist, keine verantwortungsvollen Aufgaben mehr übertragen. Sie ist ja „nur“ noch 30 Stunden im Büro. Außerdem fehlt ihr zum Teil das Verständnis ihrer Kollegen und Vorgesetzten für ihre Situation und sie hat das Gefühl sich ständig rechtfertigen zu müssen.

Nach dem Büro hetzt sie zum Kindergarten, holt ihren Junior ab, fährt nach Hause oder vielleicht noch kurz zum Einkaufen. Danach Abendessen und ab ins Bett mit dem Kind.
„Wo bleibt hier bitte die Zeit mit meinem Kind?“ „Klar hat er Spaß im Kindergarten, aber sollte er nicht auch ein bisschen Zeit mit seiner Mama verbringen?“

Nachdem das Kind im Bett ist, wartet eigentlich noch ein Berg Wäsche auf sie und den Staubwedel hat auch schon lange kein Möbelstück mehr gesehen. Ach ja, einen Mann hat sie auch noch, der sich vielleicht freut, wenn man ein paar Worte (oder am Ende sogar die Wäsche) mit ihm wechselt…

Und dann wäre da noch eine Klitzekleinigkeit: SIE!
An welcher Stelle kommt eigentlich sie?

Es ist kein Wunder, dass sie sich fragt, wo eigentlich ihr Leben geblieben ist?
Ein „To Do“ jagt das Nächste, sie ist total platt und hat das Gefühl nichts wirklich gut zu machen. Mittlerweile bemerkt sie, wie sich eine Müdigkeit bei ihr einschleicht, die sie kaum noch die Arme heben lässt.

An dieser Stelle hat diese Mama erst einmal eine fette Anerkennung dafür erhalten, dass sie so offen darüber erzählt und dass sie trotz ihrer knappen Zeit zum Workshop erschienen ist.
Es gab die Anerkennung aber vor allem dafür, dass sie Verantwortung für sich übernommen hat und sich nicht diesem Zustand hingibt, sondern etwas für sich tut!

Das ist nämlich ein ganz großes Problem.
Viele Mamas erlauben sich nichts für sich selbst zu tun. Etwas, das ihnen guttun würde.
Sie hetzten lieber von einem Termin zum nächsten, Hauptsache das Kind ist jeden Tag ausreichend beschäftigt, und vergessen dabei, dass ihre Energie komplett in den Keller rauscht, obwohl sie das Wichtigste ist, was sie haben.
Es fehlt sogar die Zeit sich Gedanken zu machen, weshalb man keine Zeit hat bzw. wie man sich besser organisieren könnte.

Liebe Mama. Du bist so wichtig!
Aus welchem Grund nimmst Du Dich selbst jedoch nicht so wichtig?

Nur wenn es Dir gut geht, geht es auch Deinen Kindern und Deiner Familie gut!
Wem kannst Du noch von Nutzen sein, wenn Du krank und völlig am Ende im Bett liegst und nicht mehr die Füße hochbekommst? Niemandem!
Dann ist nämlich genau das eingetreten, was Du vorher durch Dein Verhalten vermeiden wolltet. Dass Du keiner Seite mehr gerecht wirst, weil Du ausfällst.

Bevor Du daher die unterschiedlichen Seiten betrachtest, solltest Du Deinen Blick zunächst auf die Wichtigste darunter richten – auf DICH!

Was sind Deine Bedürfnisse?
Was ist für Dich wichtig?
Wie soll Dein Familienleben aussehen, damit es Dir dabei gut geht?
Wie soll Dein Arbeitsleben aussehen, damit es Dir dabei gut geht?
Wie soll Deine Beziehung sein, damit es Dir dabei gut geht?

Und frage Dich dabei bitte auch, wie all diese Punkte nicht sein sollen!

Erst wenn Du Dir darüber im Klaren bist, kannst Du anfangen bewusst die Bereiche in Deinem Leben zu gestalten.
Du wirst nicht alles ändern können, aber glaube mir, es gibt immer und an jeder Stelle Möglichkeiten, auf die Du Einfluss nehmen kannst!

An erster Stelle steht zunächst die Akzeptanz, dass manche Dinge so sind, wie sie sind.
Du musst sie jedoch dafür nicht gut finden!
Denn nach der Akzeptanz haderst Du nicht mit der Situation, wodurch Du nur Energie und Kraft verlierst, sondern richtest Deinen Fokus auf die Möglichkeiten, die Du jetzt hast.

Worauf kannst Du dennoch Einfluss nehmen?
Welche Handlungsmöglichkeiten hast Du?
Mit wem musst Du sprechen?
Wem musst Du erklären, wie es Dir geht, damit man gemeinsam einen Weg der Änderung besprechen kann?

Denn das ist auch ein tolles Phänomen. Vieles von unseren Sorgen und Ängsten spielt sich lediglich in unserem Kopf ab. Da spinnen wir uns die wildesten Szenarien durch und wissen aber eigentlich gar nicht, ob die überhaupt wahr sind?
Denken die Kollegen wirklich so über Dich?
Ist Dein Chef wirklich so ein Idiot oder kommt er gar nicht auf die Idee, dass Du so empfinden könntest?

Kann es eventuell Dein eigener Anspruch sein, den Du in Deinen Augen nicht erfüllst und diese Meinung auf Deine Kollegen projizierst?

Meist ist es nämlich tatsächlich so, dass die anderen gar nicht der Meinung sind, die wir uns in unserem Kopf ausgemalt haben. Selbst wenn sie doch Deine Befürchtungen bestätigen sollten, so kannst Du dann wenigsten reagieren und entsprechend etwas verändern.

Wir fallen ganz häufig auf die Trugbilder herein, die unser Gehirn uns vorgaukelt, damit wir ja nicht aus unserer Komfortzone treten.
Aber mach einmal den Versuch und geh alle Bereiche einzeln durch – an welcher Stelle kannst Du Einfluss nehmen und etwas verändern? Wer kann Dir helfen? Was braucht es, damit es Dir besser geht?

Für den Anfang müssen es auch keine großen Veränderungen sein. Du wirst sehen, sobald Du anfängst in den einzelnen Bereichen für Ordnung und Klarheit zu sorgen, verändern sich die Dinge, werden leichter und regeln sich fast von selbst. Entscheidend ist, dass Du den ersten Schritt machst.
Wenn Du merkst, dass es funktioniert und Du tatsächlich Einfluss nehmen kannst und Dich nicht der Situation ohnmächtig gegenüberstehen siehst, wirst Du Dich gestärkt und nicht mehr fremd bestimmt fühlen.

Ein wesentlicher Aspekt fehlt jedoch noch: bevor Du Dir vorwirfst, was Du alles nicht schaffst und wem oder was Du nicht gerecht wirst – würdest Du bitte einmal Deinen Fokus ändern und den Blick darauf richten, was Du alles schaffst und leistest!

Die Dinge, die Du nicht erledigt hast, kannst Du am Ende des Tages eh nicht mehr ändern oder beeinflussen.

Deine Gefühlslage schon! Sie liegt ganz allein in Deiner Hand!

Wenn Du am Abend anerkennst, was Du geschafft hast und vor dem Schlafen vielleicht sogar noch ein paar Gedanken der Dankbarkeit für etwas oder jemanden hinbekommst, dann wird sich Dein Bild über Dich und Deine Situation ganz sicher verbessern.

Ein letzter Ratschlag zum Schluss: Unterschätze nie die Kraft, die Dir eine andere Person schenken kann, einfach nur dadurch, dass sie da ist und zuhört.
Meist braucht es tatsächlich nicht mehr, um eine Antwort zu finden.

Erlaube Dir für Dich zu sorgen!
Du bist Mama und keine Maschine.

 

Denke daran:
Jede Mutter ist eine Heldin – auch Du!

 

Es grüßt Dich

Deine Susanne

Jede von uns wird sie kennen, die Lektüren über Freud und Leid des Mama-Daseins, die zu tausenden in den Bücherläden liegen.
Ich behaupte mal, dass der Großteil davon sich damit beschäftigt, wie man die damit verbundenen Probleme behebt bzw. damit umgeht.

Interessant finde ich immer, dass es offenbar vielen Frauen so geht, dass sie plötzlich Mama sind und sich über die Konsequenzen nicht wirklich bewusst waren. Irgendwie stellt sich das fast Jede, so glaube ich, deutlich einfacher vor.

Ja, wir sind alle mit Sicherheit etwas naiv vorher.
Wir haben alle eine rosarote Brille auf und stellen uns das Mamasein in romantischen Farben vor.

Zwar kann sich jede Frau die eventuell auftretenden Herausforderungen vorstellen, aber Keiner von uns konnte wirklich klar sein, was da in Wahrheit auf sie zukommt. Wie denn auch?
Es ist ja nicht nur jede Mutter verschieden, sondern die Kinder natürlich auch!

Außerdem würden dann nur noch ganz wenig Frauen den Schritt wagen, Mutter zu werden.
Wobei mich das jetzt bereits schon wundert, wo es doch so viele Ratgeber, Lektüren, Magazine, Reports, etc. gibt, die uns die Schrecken und Entbehrlichkeiten der Mutterrolle vor Augen führen.

Viel seltener liest man über das Glück, die Freuden, die stillen Momente, in denen man grenzenlose Liebe spürt.
Warum gibt es nicht mehr Artikel, in denen die wunderschönen Seiten gezeigt werden, die unsere Mutterrolle hat? Probleme wälzen und den Fokus darauf legen, ist offenbar deutlich lukrativer.

Man liest von Entbehrungen, vom Job- und Karrierekiller, vom Beziehungstöter und nie wieder Sex. Von Schwangerschaftsstreifen, losem Beckenboden, offenen Brustwarzen, Augenringen, lästigen Fettpölsterchen. Von langweiligen Spielplatznachmittagen, stupfsinnigen Gesprächen mit anderen Müttern, Erziehungsproblemen und keine Zeit für nichts.

Das sind echt keine schönen Seiten und jede Mutter wird mindestens einen Teil davon kennen und sich darin wiederfinden.

Letztens ist mir bewusst geworden, was wir am Wochenende für ein durch getaktetes Programm haben:
Früh aufstehen, Frühstück machen, frühstücken, einkaufen gehen, aufräumen, sauber machen, Spielplatz oder anderes Programm für die Kinder, Abendessen kochen, Abendzeremonien, ins Bett bringen, vorm Fernseher den Tag ausklingen lassen.

 

Was haben wir bitteschön alles gemacht, als wir noch keine Kinder hatten??????????

Das ist ja unglaublich, wieviel Zeit uns zur Verfügung stand – nur für uns!!!!!

Und es ist unfassbar, wie wenig wir das wertzuschätzen wussten und wie wir diese Zeit zum Teil einfach nur vertrödelt haben.


Wie gerne würde ich mal wieder einen Samstag (und Sonntag) vertrödeln!

Einfach so in den Tag hineinleben und nur das machen, was mir gerade in den Sinn kommt.

 

Aber Achtung! Hier kommt die große Erkenntnis.
Und es ist dieselbe, die ich auch schon bei meinen Ausgeh-Abenden hatte.

Mein Mann und ich hatten vor kurzem ein Wochenende „frei“.
Wir hatten Freitagnachmittag einen Termin in einer anderen Stadt und haben das genutzt, die Kinder über das ganze Wochenende zu den Großeltern zu geben. Wir sind abends jedoch wieder nach Hause gefahren und spontan um 21:00 noch essen gegangen. Am Samstag haben wir ausgeschlafen und spät gefrühstückt.

Wir konnten uns mal wieder beim Frühstück unterhalten – so richtig unterhalten.

Wenn die Kinder dabei sind, kümmert sich jeder um eines der Beiden und ist mit Brötchen schmieren, umgefallenen Bechern und verhindern von großflächigen Schmieraktionen beschäftigt. Am Ende des Frühstücks wird dann gelost, wer einkaufen gehen darf und wer mit den Kindern auf den Spielplatz geht oder mit ihnen zusammen (!) die Wohnung putzt…

Aber an unserem Wochenende hatten wir Ruhe und Zeit – nur für uns!
Es war herrlich.

Wir haben es richtig genossen alles auf uns zukommen zu lassen und trotzdem merkte ich, dass mir irgendwas fehlte. So sehr ich mich über diese kurze Freiheit freute. Es fehlte irgendwie der Sinn. Das klingt jetzt sehr dramatisch und schließlich waren die Kinder ja auch nur über das Wochenende weg.

Aber es wurde mir dennoch bewusst, dass wir einfach nicht mehr nur ein Paar sind.

Allein das nicht bespielte Spielzeug, das im Wohnzimmer steht, vermittelte uns, dass irgendwas bzw. irgendwer fehlt.

Für den Abend hatten wir uns vorgenommen, ein für uns neues Restaurant zu testen und freuten uns auch darauf. Eine viertel Stunde bevor wir losgehen wollten, rief meine Schwiegermutter an, ob wir die Kinder abholen können. Unsere Tochter hatte einen Hustenanfall, war seit 45 Minuten am Weinen und wollte nach Hause.

Natürlich machten wir uns dann auf den Weg, um die Beiden abzuholen und wir mussten uns eingestehen, dass wir gar nicht so traurig darüber waren. Klar wäre es nett gewesen, nochmal essen zu gehen und den Abend zu zweit verbringen zu können. Aber so ein Abend gibt einen nicht annähernd so viel, wie die Freude der eigenen Kinder, wenn man sie wieder abholt. (Dass wir sie 1,5 Stunden später bereits am liebsten wieder zurückbringen wollten, bleibt hier nur eine Randnotiz…)

 

Wir können uns noch so sehr grämen über die verlorene Freiheit, die vergangenen Chancen und Möglichkeiten, die wir hätten, wenn es unsere Kinder nicht gäbe, aber das große Glück, dass sie uns bescheren, kann nichts dergleichen aufwiegen.

Es ist anstrengend, ermüdend, Kräfte zehrend und manchmal auch einfach nur banal.
Aber es hat unserem Leben einen wirklichen Sinn gegeben. Einen nachhaltigen, wenn wir ihn nicht missachten.

 

Wie toll ist es denn, dass wir diese Seite des Lebens kennenlernen und erleben dürfen. Dieses Wunder, das wir erschaffen haben. Das Wunder der Geburt. Die Chance sich nicht nur um uns selbst zu kümmern, sondern auch für einen anderen Menschen einzustehen.

Das Glück bedingungslose Liebe zu spüren und zu erfahren. Und vor allem das große Glück des persönlichen Wachstums, das wir durch unsere Kinder erfahren. Eine größere Challenge gibt es doch kaum. Sich ihr zu stellen und sie zu meistern ist, für mich ein großes Geschenk.

 

Ab jetzt wird es nie wieder langweilig sein, weil unsere Kinder für Abwechslung sorgen werden – immer und jeden Tag. Wie spannend ist das bitte?

Und wieviel Freiheit eröffnet sich uns dadurch? Wieviel Freiheit entsteht in unserem Kopf, wenn wir uns auf die Kinder einlassen und die Welt durch ihre Augen sehen? Das geht so einfach? Ihr müsst es unbedingt versuchen, wenn ihr es noch nicht getan habt.

Peter Pan sagt: „Erwachsen werden ist so eine barbarische Angelegenheit… Voller Unannehmlichkeiten.“

Durch unsere Kinder haben wir die Chance uns ab und zu von diesen Unannehmlichkeiten zu befreien und uns wieder über die vermeintlich kleinen Dinge zu freuen.

Natürlich haben wir auch eine große Verantwortung. Aber das wird meiner Meinung nach oft viel zu wichtig genommen. Wenn wir auch hier ab und zu unserem Herzen folgen, dann können wir gar nicht viel verkehrt machen.

 

Jetzt werden bestimmt einige denken: „Aber es gibt doch auch noch was anderes als unsere Kinder. Ich bin doch auch eine Frau, die nicht nur Mama ist, sondern eben auch berufstätig, attraktiv, spontan, kreativ und vieles mehr.“

Ja, das sind wir!
Und jede von uns sollte sich dessen unbedingt bewusst sein!

Mir geht es jedoch darum, dass wir viel zu häufig auf die negativen Seiten aufmerksam gemacht werden, anstatt die schönen Aspekte in den Vordergrund zu rücken. Wenn wir uns für Kinder entschieden haben, dann haben wir das aus dem Gefühl der Liebe, dem Wunsch nach Familie, Vertrauen, Zusammenhalt und Zugehörigkeit getan. Es ist klar, dass man nicht alles haben kann und dass dieses Leben Entbehrungen und Veränderung des bisherigen Lebens bedeutet. Aber wenn wir bereit sind, uns auf dieses neue Leben einzulassen und die wunderschönen Momente in den Vordergrund rücken, die es mit sich bringt, dann können wir die schweren und weniger schönen Momente und Aspekte deutlich gelassener annehmen.

Wie überall treffen wir die Entscheidung, was wir denken und worauf wir unseren Fokus richten. Ich möchte hierzu nur den Anstoß geben, ohne allzu sehr die rosarote Brille aufzusetzen.

Mein Mann und ich saßen Sonntagmorgen wieder mit unseren beiden Schätzen am Frühstückstisch und es war fast wie an jedem Wochenende. Nur dass wir uns alle seit langem mal wieder richtig aneinander gefreut haben und uns bewusst wurde, wie glücklich wir mit uns sind.

 

Freiheit ist gut und wichtig. Jede von uns sollte sie sich ab und zu in ihr Leben zurückholen. Nur um zu merken, wie frei wir eigentlich schon sind und vor allem wie glücklich.

 

Es grüßt euch

Eure Susanne

Die Wut auf die eigenen Kinder ist kein schönes Thema, ja es ist nahezu ein Tabuthema. Gerade deshalb möchte ich darüber schreiben, denn ich weiß, dass es viele Mütter gibt, die meine Erfahrungen teilen.

In meinen Augen ist es besonders wichtig, auch die vermeintlich unschönen Themen anzusprechen. Die Themen, für die wir uns schämen, bei denen wir schwach werden und uns als Versagerin fühlen. Es ist nämlich unglaublich erleichternd, wenn wir hören, dass wir damit nicht alleine sind!

 

Ich behaupte, dass Wut bei Familien allgegenwärtig ist. Die Menschen freuen sich immer ungemein, wenn sie eine Familie mit zwei artigen Kindern sehen, die nicht rumschreien und auf ihre Eltern hören. Wenn die Eltern wiederum auf ihre Kinder eingehen und sie alle ein Bild größter Harmonie abgeben. Aber wehe, wenn dem nicht so ist!

Wer kennt sie nicht, die Situation auf der Straße oder noch beliebter, im Supermarkt.
Ein schreiendes, um sich tretendes Kind und eine Mutter, die sich irgendwo zwischen einem dieser vier Verhaltensmuster bewegt:

  1. Beschwichtigen
  2. Maßregeln
  3. Flucht ergreifen (Kind unter dem Arm)
  4. Entspanntes Abwarten

Zumeist wird auf die Reaktion der Mutter geachtet. Wie verhält sie sich. Greift sie zu sehr ein, lässt sie es sich bieten oder bleibt sie entspannt. Egal wie sie sich verhält – es wird falsch sein.

Die Wut beim Kind ist normal und wichtig für die Entwicklung und es gibt tausende von Ratgebern, wie man damit umzugehen hat. Aber was ist mit unserer Wut? Unsere Wut verbirgt sich hinter der Selbstbeherrschung. Hinter Verzweiflung und Scham. Eine gute Mutter kann sich beherrschen. Sie hat sich im Griff. Weiß, wie man die Dinge korrekt und gesellschaftlich anerkannt löst.

 

Mir ist all das bekannt und dennoch gebe ich zu: Ich bin erschrocken, welche Aggression meine eigenen Kinder bei mir auslösen können.

Die Menschen, die ich am meisten auf dieser Welt liebe, können Gefühle in mir auslösen, wie ich sie nicht in mir vermutet habe.

Interessanterweise im negativen wie im positiven. So sehr ich sie liebe, so sehr kann ich auch wütend auf sie sein. Kann man das vielleicht auch nur bei Menschen, die man liebt. Liegen Liebe und Hass tatsächlich so nahe beieinander?

Das Wort „Hass“ empfinde ich als sehr störend im Zusammenhang mit meinen Kindern. Aber es ist schon sehr erstaunlich, wie wütend und gleichzeitig auch hilflos sie mich manchmal machen können. Dieses Gefühl, wie sich die Wut in mir aufstaut, wie es förmlich in mir kocht. Ich kann mir dabei geradewegs zusehen und trotzdem bricht es aus mir heraus.
Es ist meist ein Akt der Verzweiflung, des nicht Weiterwissens, der Hilflosigkeit und der Müdigkeit. Alles zusammen ist ein mäßig hilfreicher Cocktail und er lässt mich dann doch all die Dinge machen, die ich mir so fest vorgenommen habe, nicht zu tun:
Brüllen, Drohen, Wenn-Dann-Sätze, bis drei zählen …
Am schlimmsten finde ich aber das Gefühl, das mich manchmal überkommt, dass ich sie am liebsten schütteln würde. Fast schon ein Gefühl von: ich will Dir wehtun.

Das finde ich so unfassbar schrecklich und es fällt mir schwer, hier darüber so offen zu schreiben. Den Satz habe ich mittlerweile bereits dreimal wieder gelöscht und dennoch will ich hier ehrlich berichten, wie es mir manchmal geht.

Ich bin überhaupt kein aggressiver Mensch. Im Gegenteil! Ich hasse Gewalt! Ich sehe ungern Filme mit übermäßig vielen und brutalen Gewaltszenen und ich verabscheue Menschen, die sich nicht unter Kontrolle haben. Denn das habe ich zum Glück! Ich habe mich unter Kontrolle und ich weiß, dass ich meinen Kindern niemals weh tun werde!

 

Mir fällt es besonders schwer, souverän zu bleiben, wenn ich müde bin und viel um die Ohren habe. Dann bringe ich generell wenig Geduld für mein Umfeld auf und dann läuft das sorglose Verhalten der Kinder dazu komplett konträr.

Da bin ich auch schon wieder an meinen erwachsenen Vorstellungen über den Tagesablauf angekommen. Die Kinder haben ihr aktuelles Spiel im Kopf und ich die Uhr und meine Termine. Ich mache Druck, sie Gegendruck bzw. verlangsamen komplett. Es ist unfassbar ermüdend, ständig antreiben zu müssen und trotzdem zu spät zu kommen. Und es macht mich wahnsinnig, wenn ihnen immer noch was einfällt, womit sie mich auf die Palme bringen. Am schnellsten gehe ich allerdings in die Luft, wenn gelacht und gegrinst wird und ich das Gefühl vermittelt bekomme, dass es ihr oder ihm mal gerade völlig am A… vorbei geht, was ich gerade gesagt habe.
Besonders der Kleine mit seinen zweieinhalb Jahren findet es immer total lustig, wenn ich schimpfe. Er nimmt das überhaupt nicht ernst und hat seinen Spaß dabei. Leider vergesse ich dann allzu oft, dass er ja auch einfach erst zweieinhalb Jahre alt ist. Und auch mit viereinhalb Jahren kann ich noch nicht viel Einsicht und vorausplanendes Denken erwarten.  Es liegt an mir, die Situation in den Griff zu bekommen. Nicht an den Kindern! Zumindest noch nicht!

Aber ich muss auch lernen, mir meine Wut zu verzeihen und zu verstehen, weshalb es überhaupt so weit gekommen ist.

Wären es nicht Kinder auf die ich wütend bin, hätte ich und jeder andere, mit Sicherheit sofort Verständnis für mich. Oder würdet ihr euch von jemand anderem bieten lassen, was sich eure Kinder zum Teil erlauben? Interessant ist jedoch, dass wir einen Kollegen oder Freund, der sich so benimmt, niemals in der Art und Weise anreden würden, wie wir es mit unseren Kindern tun. Warum dann also bei den eigenen Kindern? Kommt hier eine Art Machtverhältnis zum Vorschein? Oder ist es einfach die soziale Komponente? Zu nah und eng beieinander. Zu viel Liebe? Wer sich zu häufig sieht, fetzt sich auch mehr und heftiger?

Unsere Kinder sind kleiner, schwächer und unerfahren. Sie sind uns ausgeliefert und auf uns angewiesen. Sie lieben uns (noch) bedingungslos, selbst dann, wenn wir ihnen richtiges Leid zufügen würden.
Wenn wir das Gefühl haben jemand ist auf uns angewiesen, dann verhalten wir uns ihm gegenüber anders, wie wenn er es nicht wäre. Aber bei unseren Kindern haben auch wir eine Art Abhängigkeit. Hier handelt es sich nicht um einen Partner oder einen Kollegen, von dem ich mich im Ernstfall trennen kann. Wir hängen an unseren Kindern fast so, wie sie an uns. Wir lieben sie abgöttisch und wir können uns nicht vorstellen, dass ihnen irgendwer Schaden zufügt.
Ich glaube, dass daraus ein Konflikt in uns Eltern entsteht. Dieser setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen: äußere Umstände (Zeitdruck), körperliches Befinden (Müdigkeit), inneres Empfinden (Liebe), Gefühle (Hilflosigkeit), gesellschaftliche Norm (Beherrschtheit), Verständnis und Unverständnis. Dieser Konflikt löst in uns Wut und Aggression aus, gleichzeitig aber auch Trauer und Verzweiflung.

Wir können versuchen, uns aus solchen Situationen zu lösen und Abstand zu gewinnen.

Das ist nicht immer leicht, denn meistens entstehen sie, wenn wir unter Zeitdruck stehen oder uns in der Öffentlichkeit befinden. Aber egal wie und wo: es gilt zu allererst immer erst einmal durchzuatmen. So oft, bis die Wut zurückweicht. Erst dann kann ich die Situation wieder neutraler und mit Abstand betrachten.

Aber Achtung!
Es ist auch wichtig, dass unsere Kinder sehen, dass wir unsere Grenzen haben.
Auch wir können irgendwann einmal nicht mehr und es ist richtig, wenn die Kinder das verstehen lernen.  Wir dürfen mit uns gnädiger sein und uns Wut und Fehlverhalten zugestehen. Es ist ein Lernprozess für uns alle – auch für unsere Kinder.

Ich denke oft an mich, wie ich mich gefühlt habe, wenn meine Mutter mich angebrüllt hat. Es war nicht schön! Aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt einen Schritt zu weit gegangen bin und habe es mir gemerkt. Zumindest sind einige Szenen noch sehr deutlich in meinem Gedächtnis. Ok. Ich war keine vier mehr, aber das zeigt, ich muss mich auf jeden Fall jetzt schon für weitere fünfzehn Jahre rüsten und es ist mit Sicherheit nicht verkehrt, wenn ich mir heute schon Gedanken mache, wie ich mit meiner Wut umgehen werde.

 

Es grüßt euch
Eure Susanne

Eine Freundin sagte mal zu mir, wenn sie noch einmal entscheiden dürfte, wann sie Kinder bekommen wird, dann würde sie in jüngeren Jahren Mutter werden.

„Da ist man einfach deutlich entspannter!“

Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Je älter man wird, umso anstrengender werden Kinder. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass wir zu lange ein freies Leben geführt haben. Wir mussten auf niemanden Acht geben. Waren mehr oder weniger nur für uns selbst verantwortlich. Haben Geld verdient, das wir nur für uns ausgeben konnten und haben uns entsprechend eingerichtet.

Kinder interessiert es nicht, was für schöne Möbel wir haben, welche Klamottenmarken wir tragen, dass man lieber abends ins Restaurant geht und man ab einem bestimmten Alter einfach seinen Schlaf braucht. Kinder handeln immer aus ihren Bedürfnissen heraus. Sie leben noch Urinstinkte und das ohne Rücksicht auf Verluste. Diese sind nämlich hauptsächlich bei uns Eltern zu verzeichnen.

Wem ist es bitteschön nicht so gegangen, dass man sich vor der Geburt des eigenen Kindes das perfekte Kind vorgestellt hat. So hätte man es natürlich nie genannt und kein Mensch will ein perfektes Kind. Aber irgendwie konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass es bei mir auch so laufen würde, wie Eltern von kleinen Kindern abgeschlagen und ernüchtert berichteten. „Ach, bei uns wird das ganz anders laufen! Ich bin doch auch anders und mein Kind wird auch ganz anders sein…!“

Es ist zum einen nachvollziehbar, dass man zu Beginn denkt, alles anders machen zu können. Individualität wird heute ja großgeschrieben. Aber andererseits frage ich mich auch, wie man erwarten kann, dass die Kinder sich einfach an den Lebensstil der Eltern so ohne weiteres anpassen können. Das geht leider nicht und es ist – nach meinem Verständnis – ein ziemlich egoistischer Gedanke.

Tut mir leid, wenn ich damit der ein oder anderen Leserin auf die Füße trete, aber unsere Kinder können am wenigsten dafür, dass wir uns als weitere Errungenschaft nach dem Labrador (wobei aktuell sind es wohl die Weimaraner) nun sie ins Haus holen.

Nachdem manche von uns studiert, andere schon früh gearbeitet haben, wir auf Weltreise waren oder zumindest einige entspannte kinderfreie Urlaube verbracht haben, vielleicht Karriere gemacht und wichtig mitgemischt haben, uns eine schöne Wohnung mit Bodenvasen, hellem Sofa und entsprechendem TV-Equipment zugelegt haben. Nachdem wir es gewohnt sind, regelmäßig in Restaurants, Bars und zum Tanzen zu gehen. Nachdem wir mindestens einmal im Jahr Skifahren oder im Wellnessurlaub sind und eine Reise in ein Land antreten, das mindestens neun Stunden Flug entfernt ist.

Klar, ist es dann ein krasser Schnitt, wenn das plötzlich nicht mehr geht. Und das wird den meisten auch erst bewusst, wenn das kleine Wunder eingezogen ist.

Da ist es mit dem Weimaraner schon einfacher. Den kann man leichter in die Tierpension oder zu einer Freundin geben. Und wenn er die Sofakissen zerbeißt, dann kommt er halt in den Flur…

Aber zu erwarten, dass ein Kind sich an die Erwachsenenwelt anpasst, ist nicht realistisch und auch nicht angebracht.

Natürlich muss ich nicht alles aufgeben, was mir wichtig ist und was ich gerne tue. Das wäre auch völlig kontraproduktiv.
Aber wenn ich mich dafür entscheide, dass ich ein Kind bekomme, dann entscheide ich mich nun mal auch für alles, was dazu gehört. Und dann weiß ich, dass ich erst einmal nicht mehr jeden Samstag im Restaurant essen gehe und dass ich einen Großteil meiner Aufmerksamkeit vorerst einem anderen Menschen widmen werde, der darauf angewiesen ist und der mich braucht. Wenn ich erst Mitte oder gar Ende 30 ein Kind bekomme, dann hatte ich doch echt eine lange Zeit, die nur mir galt. Ich hatte all die schönen und entspannten Dinge, die sich meist dem schönen Schein widmen.

Ist es dann wirklich zu viel verlangt, sich auf die Belange der Kinder einzulassen und sich selbst ein Stück weit zurückzunehmen? Warum fällt das vielen so schwer?

Damit meine ich nicht, dass wir Eltern auch einfach mal platt und müde sind und dann unsere Ruhe wollen oder wenn wir krank sind Verständnis und Schlaf einfordern dürfen.
Das müssen wir sogar und steht hier nicht zur Debatte.
Schließlich sind wir keine Maschinen und ich spreche hier auf keinen Fall von Selbstaufgabe!

Mir geht es um allgemeine Punkte im Familienalltag. Darum, dass von den Erwachsenen oft versucht wird etwas durchzudrücken, was sie vor den Kindern problemlos machen konnten und jetzt nicht mehr. Wenn dann z.B. ein Restaurantbesuch nicht so entspannt abgelaufen ist wie gedacht, ist man genervt und enttäuscht. Die Kinder können dafür jedoch am wenigsten. Es sind die falschen Vorstellungen der Erwachsenen, nicht das Kind, das von Natur aus nicht lange ruhig sitzen kann und eine Beschäftigung braucht.

Warum müssen sich die Schwächeren und Unerfahrenen nach den Stärkeren und Erfahrenen richten und nicht umgekehrt?

Unsere Kinder lernen von uns, nehmen uns als Vorbild und für lange Zeit sind wir das Wichtigste für sie im Leben.

Aber können wir nicht auch unglaublich viel von unseren Kindern lernen?

Nämlich wieder bewusst zu leben. Zu spüren, was es bedeutet für jemand anderen zu leben. Der wichtigste Mensch im Leben eines anderen zu sein. Ohne Bewertung. So wie wir sind. Wie traurig wäre ich, wenn ich dieses Vertrauen verspielen würde und sich die Meinung meiner Kinder über mich ins Negative verwandeln würde.

Wir mit unserem Alltagsstress. Das macht das Elternsein so anstrengend. Weil die Kinder durch unseren Stress, durch unsere Ansprüche an uns und sie unentspannt werden.
Sie entschleunigen dann erst recht. Je mehr wir drängen und Druck ausüben umso langsamer und gegenteilig verhalten sie sich.

In meinen Augen müssen wir uns nicht aufgeben, wenn wir uns auf die neue Elternrolle einlassen.
Wir dürfen es einfach mit anderen Augen betrachten. Es ist ein völlig neuer Lebensabschnitt, den wir (meistens) freiwillig gewählt haben und der wunderschön sein kann, wenn ich mich darauf einlasse. Mit all seinen Herausforderungen und Anstrengungen, die er mit sich bringt.

Dieser Lebensabschnitt öffnet den Weg für viele kleine Wunder, die wir erleben dürfen.

Wir erleben ein eigenes Wachstum, entdecken neue, alte Werte, die wir aus unserer Kindheit vielleicht kennen und dürfen die Welt zusätzlich mit den Augen eines Kindes betrachten.

Wenn man in den 20iger Jahren Kinder bekommt, dann hat man vieles noch nicht erlebt und vermisst es dann vielleicht auch nicht so sehr. Ich war damals mit Sicherheit auch noch deutlich entspannter und hätte den wenigen Schlaf deutlich besser verkraftet und weggesteckt.

Aber ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass ich viel Erfahrung sammeln durfte, was Freiheit und Beruf angeht. Ich konnte sagen, dass ich viel erreicht habe und viel erleben durfte.
Dann war ich bereit das nächste Abenteuer anzugehen.

Spät Eltern zu werden, bringt auch mit sich, dass man nicht das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man jetzt Kinder bekommt. Man hat viel Erfahrung, die man weitergeben kann und ist in einigen Erziehungsfragen eventuell auch schon etwas vernünftiger.

Wir sollten nur eines nicht vergessen.
Kindern ist es völlig egal, wie alt wir sind und was wir ihnen alles Tolles bieten können.
Sie wollen Eltern, auf die sie zählen können. Die auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihnen zuhören, wahrnehmen, wenn sie etwas bedrückt und auch mal den Erwachsenen auf die Seite packen und mit ihnen Quatsch machen.

Das geht in jedem Alter!

 

Vielleicht sollten wir uns alle auch einfach mal ein bisschen entspannen.
Weniger Perfektionismus dafür mehr Normalität.
Jeder sollte sich in diesem Zusammenspiel zwischen Eltern und Kindern wohl fühlen.
Es liegt aber an uns Eltern das umzusetzen. Wenn sich jedes Elternteil drei Dinge rauspickt, die ihm wichtig sind und die es gerne wieder oder endlich einmal umsetzen will, dann kommt keiner zu kurz.
Mir ist dabei aufgefallen, dass ich z.B. gemeinsame Ausgehabende mit meinen Freundinnen wieder viel mehr wertschätze und sie in vollen Zügen genieße.
Ich gehe jedes Mal mit einer großen Dankbarkeit und glücklich nach Hause (was nicht nur am Wein liegt) und freue mich, dass mich dort keine leere Wohnung erwartet.

Was für eine Bereicherung!

Herzlichst
Eure Susanne

Meine Ansprüche an mich waren schon immer relativ hoch.
Interessanterweise wurden sie mit der Mutterrolle noch höher.
Ist doch eigentlich komisch. Jetzt, wo ich mich entspannen könnte, weil kein Chef irgendwelche Forderungen an mich stellt, wollte ich erst recht beweisen, dass ich alles hinbekomme und gut mache!

Aber für wen ist es denn wichtig, dass ich alles unter einen Hut bekomme?
Wer stellt denn diese Ansprüche an mich?
Ich habe mich gefragt, woher dieses Gefühl kommt, dass ich zeigen will, wie gut ich alles schaffe.
Ist es ein Konkurrenzkampf mit anderen Müttern? Ganz nach dem Motto: „Schaut mal her, wie toll ich das alles hinbekomme und wie gut meine Kinder geraten!“

Totaler Blödsinn!

Oder ist es der neue Ring, in dem ich mich jetzt befinde und in dem ich mich behaupten will? Und zwar genauso gut wie im Vorherigen.

Jetzt geht es nicht mehr um Tabellen, Kalkulationen, Kosten, etc. aber es geht ebenso um Organisation, Effizienz, Zeitmanagement und Personalmotivation.

Diese vier Punkte beherrschen wir Mütter mit Sicherheit besser als jemals zuvor und vielleicht sogar besser als jeder unserer Kollegen im ehemaligen Job.
Allerdings sind unsere Ansprüche an die Erfüllung dieses Jobs deutlich gestiegen. Denn der neue (zusätzliche) Job ist weitaus weniger anerkannt als der Alte. Er wird von den meisten Leuten (denjenigen ohne Kinder) völlig unterschätzt und eher noch belächelt.
Man sieht uns in Cafés sitzen, am Spielplatz stehen (aktuell frieren), Kinderwagen spazieren schieben, beim Kinderturnen, Musikgarten und Rückbildungsyoga.
Das kann ja nicht besonders anstrengend sein…

Da werden schnell die Klischee-Kisten rausgeholt und Sprüche geklopft.
Aber diese Leute sehen uns nicht beim Berge von Wäschewaschen, Frühstück für die ganze Familie Vorbereiten, durch Supermärkte rennen, wenn wir ohne Kinder sind, weil das VIEL entspannter ist, beim frisch Kochen, täglichen(!) Aufräumen, Wickeln, UND, was für die meisten von uns mittlerweile gilt, dem zusätzlichen Nachgehen des alten Jobs.
Der kommt nämlich noch on top! Das wird schnell mal übersehen.
Viele üben diesen mittlerweile halbtags aus und geraten dabei gerne in die sogenannte „Halbtagsfalle“. Und die Frauen, die wieder Vollzeit in den Job einsteigen, schaffen vielleicht eher ihre Ziele im Job, belasten sich aber auf familiärer Seite mit Zweifeln und Sorgen, weil hier vieles vermeintlich zu kurz kommt.
Wir alle meistern unseren Job zusätzlich zu allen Mütteraufgaben und haben dann auch noch den Anspruch ihn genauso gut wie ohne Kind abzuliefern.
Denn wir wollen keinen Kritiker in seinen Vorurteilen bestätigen.

Aber in erster Linie, so glaube ich, wollen wir das uns selbst gegenüber nicht bestätigen.
Wir haben dieses Anspruchsniveau selbst provoziert.
Ich war total stolz, dass ich in meinen alten Job zurückkonnte und dieselbe Verantwortung hatte wie vorher. Obwohl ich nur noch 20 Stunden arbeitete.
Es hat nicht lange gedauert, da war ich mit den Tatsachen der Wahrheit konfrontiert. Ich habe einfach nichts gebacken bekommen und war mega unzufrieden. Mein Arbeitsmodell war zwar kompatibel mit dem Familienleben, aber nicht mit meinem Job und vor allem nicht mit meinen Ansprüchen daran. Ich wünschte mir regelrecht einen Job ohne Verantwortung, nur um nicht mehr ständig das schlechte Gefühl zu haben, es nicht hinzubekommen, keinen guten Job zu machen und mich erklären zu müssen.

Wahrscheinlich habe ich mir diesen Druck nur selbst gemacht und ich hätte im Vorfeld für mich klären müssen, was und wie ich es schaffen kann. Aber ich wollte zeigen, dass man es kaum bemerken wird, dass ich weg war und sich an meiner Arbeitseinstellung und Qualität nichts geändert hat.
Es hatte sich aber geändert! Nicht unbedingt was die Qualität angeht aber die Einstellung. Und zwar deutlich!

Die zwei Tage, die ich im Büro war, waren herrlich. Ich machte mich schick, fuhr eineinhalb Stunden alleine im Auto und genoss Gespräche, die sich nicht um Kinder & Co. drehten.
Am Mittwoch war ich jedoch bereits im Homeoffice und konnte die schicken Klamotten wieder im Schrank lassen und ab Mittag war dann bis Sonntag wieder Mama-Alltag angesagt.
Das war ein super Teilzeitmodell und auf Grund des langen Arbeitsweges auch nur so für mich umsetzbar, aber ich fand ganz schwer in den Arbeitsmodus und mir kam tatsächlich vieles banal vor.
Ich dachte immer, dass das blöde Reden sind, aber es war wirklich so.
Die wirklich wichtigen Dinge spielten sich für mich zu Hause ab.

Im Nachhinein sehe ich diese Erkenntnis als großen Gewinn an.
Zu erkennen, was für mich wirklich wichtig ist, um dann zu reflektieren, wie effektiv man seine Zeit nutzt oder eben vergeudet.
Besonders die Beantwortung der folgenden Fragen sind entscheidend, um als Mutter und als Frau (!) mit mehr Leichtigkeit den Alltag zu bestehen:
„Was will ich eigentlich wirklich?“
„Was fühlt sich für mich in meiner jetzigen, neuen Lebenssituation richtig an?“

Mein Anspruch heute lautet: Wie schaffe ich es, dass ich einen Job ausführe, der mich fordert und begeistert und ich dennoch genügend Zeit mit meinen Kindern verbringen kann, damit ich die schönsten Momente mit ihnen nicht verpasse?
UND nicht zu vergessen: Wie schaffe ich es, dass ich dabei nicht zu kurz komme?

Daher lade ich euch dazu ein, folgende Sätze für das Jahr 2018 so oft wie möglich zu beherzigen:
Ich erlaube mir, meine Ansprüche herunterzuschrauben und nicht perfekt zu sein.
Ich erlaube mir, To Does von meiner Liste zu streichen und sie auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.
Ich erlaube mir, meinem Mann Aufgaben zu übertragen und vor allem sie ihm zuzutrauen.
Ich erlaube mir, regelmäßige Auszeiten nur für mich.

An dieser Stelle möchte ich eine Anmerkung erwähnen, die mir eine Freundin zu diesem „Erlauben“ geschrieben hat:
„Es ist vielleicht nicht nur eine Frage des „Erlaubens“, sondern auch das Thema „gerechte Aufgabenteilung“? Heute packen oder sollen zumindest die meisten Männer gleichwertig mitanpacken, wenn es um Haushalt und Kindererziehung geht, oder? Zumindest fordern das alle Frauen, die ich kenne …. Dieser Satz klingt für mich ein bisschen nach 50ger/60ger Jahre, wo die Frauen „nur“ Hausfrauen waren und der Mann als Alleinverdiener abends sein Essen auf den Tisch gestellt bekam …“

Damit hat sie in meinen Augen völlig recht.
Das erlauben beziehe ich auf unsere Denkweisen. Wir leben nicht mehr in den 50ger/60ger Jahren und können daher sehr wohl eine gleichberechtige Aufgabenteilung erwarten.
Aber häufig wird dies nicht gelebt.

„Bis ich das erklärt habe und darüber diskutiere, mache ich es lieber schnell selbst!“

Wer kennt diesen Satz nicht? Aber genau an dieser Stelle solltet ihr euch ein Umdenken erlauben. Niemand verlangt von euch, dass ihr alles alleine machen müsst. Nicht in der heutigen Zeit. Aber einfordern müsst ihr es selbst.

Es lohnt sich in dieses Projekt „Ansprüche runterschrauben“ viel Kreativität und Energie zu stecken.
Ich weiß, dass ich gut bin – im Job und natürlich auch als Mutter.
Meine Kinder haben keine braunen Zähne, sie essen zumindest Rahmspinat und hören, wenn es wirklich drauf ankommt.
Daher will ich mir unter anderem auch erlauben, mich über jeden Moment zu freuen, in dem meine Kinder sich gerade einmal besser benehmen wie andere. Aber nur ganz kurz!
Denn wir wissen ja alle: Man darf sich nie zu lange auf so etwas ausruhen.
Das Blatt wendet sich in Sekunden …

Es grüßt euch
Eure Susanne

An Weihnachten kam in meiner Kindheit immer das Christkind.
Meine Schwester und ich waren am Tag vor Heilig Abend bereits bei unserer Oma und Großtante und am 24. selbst ging es dann in den Kindergottesdienst und danach mit dem Auto zu meinen Eltern. Auf der Fahrt haben wir Weihnachtsbäume gezählt und als wir dann bei meinen Eltern waren, durften wir natürlich noch nicht ins Weihnachtszimmer, weil da das Christkind noch zu Gange war. Ein Glöckchen signalisierte dann den Moment an dem wir endlich ins Weihnachtszimmer gelassen wurden. Erst nachdem wir Weihnachtslieder gesungen und auch irgendwas vorgetragen haben, durften wir Geschenke auspacken.

Genauso wollte ich mit meiner zukünftigen Familie auch Weihnachten feiern. 
Aber wirklich exakt so! Denn nur so kannte ich es und war es richtig.

Schon bevor ich verheiratet war und Kinder hatte, habe ich mir Gedanken gemacht, wie sich das denn dann mit meiner Weihnachtstradition verbinden lässt. Es war für mich unvorstellbar, nicht mit meinen Eltern und in gewohnter Art und Weise zu feiern.
Natürlich kam es dann anders und es war auch nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte, als ich zum ersten Mal nicht mit meinen Eltern, sondern mit den Eltern meines Mannes den Heiligen Abend verbracht habe. Im Gegenteil! Es war total schön und es war „meinem“ Weihnachten sogar ähnlich.

Weihnachten ist DAS Fest der Rituale.
Die meisten von uns verbinden damit einen ganz konkreten Ablauf. Sei es das Essen, den Zeitpunkt wann es die Geschenke gibt oder die „Person“ die eben diese bringt. Die einen bleiben in gemütlicher Stimmung zu Hause, die anderen halten es für den schönsten Tag im Jahr, an dem man nach den Feierlichkeiten noch in einen Club oder eine Bar geht.

Rituale sind wichtig. Sie geben uns Halt, Sicherheit und Struktur.
Es ist etwas Gewohntes auf das man sich verlassen kann und auch will. Ich glaube gerade in der heutigen Zeit, in der nicht mehr allzu viel Wert auf Bräuche gelegt wird, ist es besonders wichtig, das ein oder andere Ritual für sich zu behalten. Weihnachten ist dafür natürlich besonders geeignet.

Interessanterweise ist man in dieser Zeit auch wesentlich empfänglicher für Glaube und Mystik.
Es „entschärft“ und nimmt dem Alltag den Ernst. Es tut gut sich für zumindest ein paar Tage in diese Welt zu verabschieden und diese besondere Atmosphäre zu genießen.

Leider liest man in den Vorweihnachtstagen auch viel über Streit und Eskalation an diesen Tagen. Ich glaube das liegt an den hohen Erwartungen, die (fast) jeder an dieses Fest hat. Weihnachten steht für Harmonie und Liebe und jeder erwartet, dass das auch bei ihm so sein sollte. Aber diese Feiertage lösen natürlich keine Konflikte, die das ganze Jahr über schwelen. Wenn man versucht, diese für kurze Zeit zu ignorieren dann ist das wahrscheinlich wie mit Husten – wenn Du ihn unterdrücken willst, wird es immer schlimmer.

Wir Mütter sind in diesen Tagen bzw. bereits die Wochen zuvor besonders eingespannt. Das hat weniger mit Ritualen zu tun, sondern wahrscheinlich damit, dass wir unseren Männern die Organisation rund um das Fest einfach nicht zutrauen (wollen).
Es müssen Weihnachtsgeschenke für die eigenen und die Schwiegereltern gefunden werden, für Geschwister, Großeltern und natürlich für die eigenen Kinder.
Aber damit nicht genug – sie müssen besorgt und verpackt werden. Dann muss das Essen für alle Feiertage geplant und dafür eingekauft werden. Die Wohnung sollte sauber sein und die Kinder wenigstens ein Lied an Weihnachten singen können. Und das alles zusätzlich zum normalen Alltag.

Ich finde dafür dürfen wir uns alle an diesen Tagen mindestens einmal applaudieren und daraus ein Ritual machen.
Darüber hinaus lässt sich der verwegene Gedanke kreieren, das Besorgen der Geschenke doch einmal an den Mann outzusourcen und jeder, der an Weihnachten zu Besuch kommt leistet einen Beitrag zum Essen.

Was haltet ihr außerdem von dem Ritual, die Kinder, sofern möglich, an die Großeltern zu geben, so dass man in Ruhe vorbereiten kann oder sie mit dem Mann ins Schwimmbad, auf den Weihnachtsmarkt, ins Kindercafé oder ähnliche „Austobe Stätten“ zu schicken?
Das schafft Luft und beugt dem Weihnachtsfrust und –stress vor.

Vielleicht reicht es aber auch schon sich zu erlauben, dass nicht alles perfekt sein muss.

Jeder sollte für sich sein Weihnachtsritual finden. Und zwar so, wie es sich für jeden einzelnen richtig anfühlt. Nicht was die Masse einem vorspielt.
Unsere Kinder nehmen an, was wir vorleben. Sie spüren ganz genau, wenn wir uns verstellen und wenn die Atmosphäre angespannt ist. Lieber ein bisschen weniger „alte“ Rituale und dafür neue, die dem eigenen Leben und Empfinden mehr entsprechen.

Ich habe Glück – meine Tochter liebt das Christkind und alles was mit Weihnachten zu tun hat. Sie ist völlig fasziniert davon und somit stand ich die Tage mit Tränen in den Augen am Nürnberger Christkindlesmarkt und sah meiner Tochter zu, wie sie das Christkind auf Schritt und Tritt verfolgte und jedes Foto crashte, das mit ihm gemacht wurde.
Meine Tochter hat jetzt eine Postkarte mit dem Bild vom Christkind und hütet sie wie einen Schatz und am Heilig Abend wird ein Glöckchen klingeln, das ihr und ihrem Bruder signalisieren wird: „Ihr dürft jetzt kommen.“

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit wenig Stress, keinem Streit oder Eskalation, dafür mit viel leckerem Essen, leuchtenden Kinderaugen und gemütlichen Stunden mit Menschen, die ihr gerne um euch habt.

Es grüßt euch

Eure Susanne

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt …

Ja, ja, die ruhige, besinnliche Zeit, in der man gemütliche Nachmittage zu Hause verbringt. Draußen schneit es und drinnen brennen Kerzen oder Lichtergirlanden und wir verbringen unsere Zeit mit Basteln, Malen, Singen, Plätzchen backen, Bratäpfel essen und vielen anderen romantischen Vorstellungen, die wir in Werbespots und Zeitschriften präsentiert bekommen.

Mal ganz ehrlich. Ist das bei einer von euch wirklich so???

Bitte, wenigstens Eine von euch soll mir erzählen, dass sie so tatsächlich ihre Vorweihnachtszeit verbringt. Auf der anderen Seite bin ich aber gar nicht sicher, ob ich das wirklich hören will …

Seit Jahren nehme ich mir nämlich genau diese Dinge vor (fast alle).

 Im nächsten Jahr werde ich die vielen 1.000 Plätzchenrezepte ausprobieren, die ich in den Zeitschriften lese. Ganz sicher! Nicht mehr nur die „ollen“ Butterplätzchen, die so schön schnell gehen und von den Kindern wunderbar dekoriert werden können.

Ich werde auf jeden Fall mal wieder in ein Wohnaccessoires Geschäft gehen und neue Deko für die Weihnachtszeit kaufen. Viele tolle Kerzen in Gläser gestellt, die wunderschön geschmückt sind. Ich werde neue Rezepte ausprobieren, die ich in den Kochzeitschriften finde und dieses Mal wird bestimmt auch Alles von jedem gegessen, weil die Kinder von Jamie Oliver das doch auch essen.

Wir werden den Fernseher, wenn überhaupt, nur ganz selten anhaben und ansonsten lieber gemütlich was lesen oder uns einfach mal unterhalten – bei Kerzenschein…

Es ist doch auch die Zeit für Gesellschaftsspiele und dann werde ich auf jeden Fall endlich mal wieder die Weihnachtslieder am Klavier üben um sie an Heilig Abend zu spielen …

So ungefähr sieht meine Vorsatzliste eigentlich jedes Jahr fürs nächste Jahr aus und ich frage mich jedes Mal aufs Neue – wer schafft das? Wie soll das gehen???

 

Fangen wir mal bei den Plätzchen an. Was freue ich mich jedes Mal, wenn ich ans Plätzchenbacken denke und seit ich vor drei Jahren das erste Mal mit Nele gebacken habe, denke ich jedes Jahr, dieses Mal wird es bestimmt schon besser klappen.
NOT really!
Es dauert höchstens eine halbe Stunde bis meine Illusionen wieder einmal zerstört sind, da das Hauptinteresse eher dem Teig und der Deko gilt und nicht dem liebevollen Ausstechen der Plätzchen.

Ok. Was habe ich auch für komische Erwartungen. Hallo? Die sind vier und zwei!!!

Aber es wird doch immer so schön dargestellt in den Zeitschriften. So ein bisschen muss es doch auch stimmen und vielleicht sind meine Kinder ja genauso wie dort abgebildet. Nicht?

Nein! Sie sind ganz normale Kinder, die den Teig selbst machen wollen, wobei bereits die Hälfte des Mehls neben der Schüssel landet und die Butter an der kompletten Rührmaschine klebt. Die es kaum erwarten können, bis sie irgendwas ausschlecken und vom Teig naschen können. Sie lieben Ausstechen aber am liebsten übereinander und die Deko schmeckt am besten pur und wenn, macht sie sich auf den Plätzchen auch nur gut, wenn sie sich darauf türmt.

Es ist definitiv kein romantisches Backen und die Küche sieht danach so schlimm aus, dass ich einen Umzug in Erwägung ziehe.

Aber irgendwie macht es ja doch Spaß und es ist eine Freude, wenn die Kinder diese Plätzchen dann frisch aus dem Ofen probieren und sie ganz stolz ihrem Papa präsentieren.

Beim Thema Rezepte nachkochen, sieht das schon wieder etwas anders aus.

Da fängt das Drama dann erst bei Tisch an. Man sollte echt den Fernsehköchen oder Kochbuchautoren mal sagen, dass offensichtliches Grün bei Kindern selten gewünscht ist. Jedenfalls ist das bei meinen so. Wenn auch selektiv, weil komischerweise geht der Rahmspinat immer. Aber sonst wird bei jedem kleinsten Fitzelchen an Grün im Essen gemeckert und erst gar nicht probiert.

Die Rezepte klingen immer alle so toll, aber ich kenne ehrlich gesagt kein Kind, das gerne Rosenkohl Salat isst… Gut, den kann ich natürlich auch nur für mich machen, aber wenn es nach meinen Kindern gehen würde, dann gäbe es täglich Nudeln, Würstchen, Kartoffelbrei (wobei den auch nur eines der Beiden isst) und Reis mit Soße. Ich übertreibe jetzt natürlich ein bisschen, aber vielleicht ist es einfach so, dass man sich eine Zeit lang davon verabschieden muss, kulinarische Highlights zu fabrizieren. Ist ja auch Quatsch, sich täglich der Frustration auszusetzen, wenn man es eigentlich schon vorher weiß.

Was die Deko zur Weihnachtszeit betrifft, muss ich sagen, dass ich es tatsächlich jedes Jahr zu einem der bekannten Dekorationsgeschäfte schaffe. Aber häufig geh ich wieder raus und denke mir, ach was soll ich mir jetzt wieder so viel Geraffel anschaffen und noch mehr davon am Dachboden stapeln.

Dann hole ich die Weihnachtskiste runter und dekoriere die Wohnung mit demselben Kram, den ich die letzten fünf Jahre auch schon hatte.

In diesem Jahr habe ich allerdings mal was völlig Verrücktes gemacht – ich habe Kerzen für den Adventskranz nicht im traditionellen Rot gekauft und passenden Verzierungsschnickschnack dazu.
UND ich habe mich getraut einen Porzellanbaum und ein Windlicht zu kaufen.

Kommentar vom Ehemann: „Hast Du einen Porzellanbaum gekauft?“ „Ja, wie Du siehst?!?“ „Aha, hm…“

Na toll! Ich liebe diese Kommentare. So in den Raum gestellt und die Gedankenblasen, die um ihn rumwabern sind förmlich erkennbar.

Egal. Ich habe mich darüber gefreut und wenigstens ein neues Teil rumstehen, das einen zusätzlichen Platz in der Weihnachtskiste verlangen wird…

So, und nun zum Thema gemeinsamer Abend mit Spielen und reden.
Das ist doch eine tolle Idee? Oder, nicht?
Also ja, ich finde ehrlich, das ist eine tolle Idee und man sollte echt versuchen, es hinzubekommen. Wenigstens ab und zu.

Es tut unendlich gut, mal gemütlich zusammenzusitzen.

Sich eine Flasche Wein aufzumachen oder einen leckeren Tee zu kochen und dann wirklich mal in Ruhe von Partner zu Partner zu erzählen. Was war diese Woche los, wie geht es mir, was bewegt mich, was stört mich, was freut mich.
Mein Mann und ich haben das tatsächlich, oh Wunder, ein paar Mal hinbekommen und uns jedes Mal darüber gefreut. Wir haben sogar noch ein Spiel zusammengespielt und uns dabei ein bisschen wie unsere Eltern gefühlt (wobei ich glaube, dass meine Eltern auch ewig kein Spiel mehr miteinander gespielt haben).

Aber dann kam irgendwas wieder dazwischen. Wahrscheinlich war die Aussicht, schal auf der Couch zu liegen, verlockender.

Danach waren die Vorsätze wieder über Bord.

 Ich kann für heute nur dazu aufrufen, es einmal auszuprobieren!

Glaubt mir, es hat eine mega Wirkung und der Schritt ist gar nicht so groß.

Die Vorweihnachtszeit ist eine super Gelegenheit, da man eh einiges zu besprechen und zu planen hat und wer weiß, vielleicht lässt sich dieser Termin bei der ein oder anderen von euch ja als wöchentlicher „Jour Fix“ etablieren.

 

Gestern war Nikolaus und ich habe es natürlich nicht geschafft bis dahin „Lasst uns froh und munter sein“ auf dem Klavier zu üben.
Bis Weihnachten sind es jetzt noch 2,5 Wochen. Es besteht also noch Hoffnung, dass ich diesen Vorsatz aus dem letzten Jahr noch umsetze.

Ich wünsche euch eine wunderschöne Vorweihnachtszeit mit Karussell fahren am Weihnachtsmarkt, Punsch trinken, Mandarinen essen, Plätzchen backen, Schneeflocken zählen, Fensterbilder kleben (und die vom Vorjahr mühsam ab puhlen), Weihnachtsgeschenke besorgen, mit den Kindern welche basteln, Fußbädern, Laternenlieder singen und ganz wichtig: mit wenig Stress und umso mehr Gelassenheit und Freude über alles was ihr schafft und genießen dürft.

Es grüßt euch

Eure Susanne

Heute geht um das Selbstbewusstsein bei uns Müttern.
Um das Anerkennen des eigenen Heldinnen Status.

Kaum einer Mutter ist klar, was sie den ganzen Tag eigentlich leistet.

Wir alle erledigen an einem Tag so viele verschiedene Dinge und glauben dennoch, nicht genug zu tun. Die einzelnen Tätigkeiten gehen auch einfach unter in der Vielzahl dessen, was es zu erledigen gibt:

Kind(er) anziehen (vorher Klamotten raussuchen, was bei Mädchen meist schon den ersten Kampf des Tages bedeuten kann), Frühstück vorbereiten, für die Kita fertigmachen, zur Kita bringen, zur Arbeit fahren, abholen, Nachmittagsprogramm, Wäsche waschen und aufhängen, einkaufen, Abendessen vorbereiten, Vorlesen, fürs Bett fertigmachen, zum Einschlafen bringen.

Und wenn eure Kinder nicht zur Kita gehen, dann habt ihr auch nicht weniger zu tun, denn dann seid ihr am Vormittag bereits gefordert, für Unterhaltung zu sorgen.

Es liegt wohl leider in unserer Natur als Frauen, dass wir mit dem, was wir können und tun sehr bescheiden auftreten und immer mehr von uns verlangen.

Mich ärgert es sehr, wenn von den sogenannten „Latte Macciato Müttern“ gesprochen wird.

Wer von euch hängt tatsächlich den ganzen Tag mit einem Latte ab und flaniert durch die Gegend?

Also gut. Ich will ehrlich sein.
Im ersten Jahr bei meinem ersten Kind bin ich ab und zu „flaniert“. Ich habe mir einen Kaffee gegönnt, bin durch die Läden gebummelt (ich hatte (hab) ein Kind, das überall schlafen konnte, egal wie laut es war) und habe es genossen endlich einmal Zeit zu haben.

Aber warum denn auch nicht???
Habe ich das nicht verdient? Darf man sich so etwas nicht gönnen?

Ich habe vor meiner Tochter gearbeitet und zwar nicht wenig. Ich habe ein Kind geboren, das umsorgt und behütet werden will und dafür sehr gerne meinen Beruf vorerst nach hinten gestellt.

Da darf man ruhig auch mal die Zeit genießen.
Hierzu könnt ihr auch meinen Artikel „Mama werden-große Chance anstatt Karrierekiller“ lesen. Darin schreibe ich darüber was es für ein Glück für uns Frauen ist, dass wir die Kinder bekommen.

Zurück zum „Latte Macchiato-Vorurteil“.

Ich finde das ehrlich gesagt ganz schön unverschämt und missgünstig.

Egal was man macht, irgendwer stört sich daran und genau deshalb sollten wir tun und lassen was wir für richtig halten!

Ihr wisst doch ganz genau, was ihr heute schon geleistet habt. Welche Kämpfe ihr gefochten habt und was euch im Laufe des Tages noch erwarten wird.

Ich traue mich zu behaupten, dass keine Mutter, es sei denn sie ist krank und selbst dann nicht, den ganzen Tag nur irgendwo „rumhängt“ und Latte Macchiato trinkt. Mal davon abgesehen, dass viele eher einen starken schwarzen Kaffee brauchen, der sie wieder wachmacht, nachdem sie mal wieder nicht durchschlafen konnten.

Was ich alles gleichzeitig und mit einer Hand schaffe – da bin ich manchmal selbst erstaunt darüber.
Und dann kommt mein Mann und braucht Hilfe, weil er es nicht schafft gleichzeitig ein Kind auf dem Arm zu haben und die Trinkflasche zu befüllen?!?

Nochmal Klartext:
Ihr schmeißt den Haushalt!
Ihr sorgt für das Unterhaltungsprogramm eurer Kinder!
Ihr plant und denkt an Familiengeburtstage, Urlaub, Ausflüge, Geschenke, Einkäufe, Arztbesuche (für die ganze Familie), Ernährung, Gespräche mit Kita oder Schule, Sport, Musik, …
Ihr geht arbeiten.
Ihr sorgt dafür, dass was Ordentliches auf den Tisch kommt (was bin ich froh, dass Meine in der Kita wenigstens zu Mittag essen… ;-) )
Ihr setzt euch am Abend noch einmal an den Laptop und beantwortet Emails oder erledigt anderen Schreibkram.

IHR SEID HELDINNEN!

Weil ihr das Alles und noch viel mehr jeden Tag leistet.

An dieser Stelle ist es mir noch einmal wichtig zu sagen, dass das AUCH für all diejenigen unter euch gilt, die vorerst nicht wieder arbeiten gehen!
Ihr habt euch entschieden, für eure Kinder da zu sein und die Zeit mit ihnen, so lange es geht, zu genießen. Auch wenn es finanzielle Einbußen bedeutet oder dass ihr nicht mehr so einfach in euren alten Job zurückkönnt.

Ihr seid vielleicht den Vormittag zu Hause, aber ihr habt deshalb nicht weniger zu tun oder mehr Zeit zur Verfügung. Ich weiß, dass nicht wenige Mütter denken, „Gott sei Dank bin ich wenigstens für ein paar Stunden mal raus und kann mir andere Gedanken machen und andere Gespräche führen.“

Ihr habt fast nie Pause vom Mutter-Alltag und das ist ebenso anspruchsvoll, wie auf Arbeit wieder zu performen.

Jede von uns muss ihr Modell finden und jedes Modell ist gut!

Wir sollten uns nicht gegenseitig dafür fertigmachen, welches Modell die Andere gewählt hat, nur weil wir uns für ein anderes entschieden haben oder entscheiden mussten. Jede von uns hat andere Gegebenheiten und Umstände unter denen sie eine Entscheidung fällt, wie sie es mit Job und Familie handhabt.

Wenn wir Mütter nicht zusammenhalten, auf wen setzen wir dann?

Erlaubt euch stolz darauf zu sein und erlaubt euch auch das ein oder andere einmal nicht zu schaffen! Und bitte, bitte, bitte: sourced aus oder verteilt manche Aufgaben an eure Partner!

Ihr seid alle herzlich eingeladen euch auf meiner Facebook Seite auszutauschen. Euch gegenseitig Mut zu machen und Bestätigung zu holen und zu geben.

Dabei schmeckt ein Latte Macchiato richtig gut ;-)

In diesem Sinne, habt einen wundervollen Tag mit euren Kindern und genießt die Zeit, die ihr mit Ihnen verbringen dürft!

Es grüßt euch

Eure Susanne

Heute will ich ein paar Gedanken zum Thema „Helikopter-Eltern“ loswerden.

Dieses Wort ist ja leider bereits seit einigen Jahren ein fester Begriff in der Eltern Literatur und beschreibt – ich zitiere aus Wikipedia: überfürsorgliche Eltern, die sich (wie ein Beobachtungs-Hubschrauber) ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Ihr Erziehungsstil ist geprägt von (zum Teil zwanghafter oder paranoider) Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes oder des Heranwachsenden.

Ich habe mich schon öfters gefragt, wo diese Eltern eigentlich sind?
In meinem Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis konnte ich bisher zumindest nirgendwo welche entdecken.

Klar sind die einen etwas ängstlicher als die anderen, aber keiner verhält sich derart auffällig, dass ich ihm diesen Titel verpassen würde.

Man sieht natürlich häufig Eltern, die mit ihren Sprösslingen auf den Spielgeräten am Spielplatz mitklettern und sehr darauf bedacht sind, dass dem kleinen Schützling nichts passiert.

Zugegeben, ich muss da manchmal etwas schmunzeln, ABER! ich kann es auch sehr gut verstehen, dass diese Eltern das Risiko einfach nicht eingehen wollen, dass ihr Kind sich verletzt.
Ich kenne nun leider die Situation im Krankenhaus sehr gut und es ist wirklich nichts, was man anstreben sollte.

Dennoch können wir unsere Schätze einfach nicht vor allem schützen und sie müssen auch lernen, sich auf ihre Instinkte zu verlassen und Gefahren einzuschätzen.

Das geht natürlich nicht, wenn einem immer über jedes Hindernis hinweggeholfen wird. Das nimmt meiner Meinung auch den Spaß! Und wie stolz sind die Kinder, wenn sie etwas ganz allein geschafft haben – wir dann ja übrigens auch ;-)

Meine Tochter hat es im Urlaub tatsächlich geschafft aus dem Bett zu fallen und sich eine Platzwunde am Hinterkopf zuzuziehen.
Wir reden hier nicht etwa von einem Hochbett.
Die Fallhöhe lag vielleicht bei 70 cm, aber am Kopfende stand ein kleiner Nachtschrank, der oben eine Schublade hatte und unten offen war.

Und genau diese Kante hat meine Tochter getroffen. Wer kommt bitte auf die Idee, dass so etwas passieren kann? NIEMAND!
Hätte ich den Nachtschrank abgesichert, hätte man mich mit Sicherheit als übervorsichtig oder eben als Helikopter-Mutter bezeichnet.

Und glaubt mir eines: Als wir in der Notaufnahme in Italien saßen und unsere Tochter genäht werden musste, wünschte ich mir etwas mehr Helikopter gewesen zu sein…

Meiner Meinung nach haben die Medien sich etwas zu sehr auf diesen Begriff gestürzt.
Es ist nämlich sehr leicht von außen zu sagen, man soll es nicht so übertreiben mit der Fürsorge.

Ich gehe in den Kernpunkten voll mit, was die Kritik an diesen Eltern betrifft. Der Stolz in den Augen meines Sohnes, wenn er dasselbe Spielgerät wie seine große Schwester alleine(!) erklimmt, zeigt mir wie wichtig es ist ihm das zu lassen. Und selbstverständlich werde ich meine Kinder nicht bis zum Abitur bis ins Klassenzimmer begleiten. Wer macht das denn bitte wirklich?!?!?!?!?!?!?!

Ich glaube, dass die wenigsten von uns sich tatsächlich so anstrengend benehmen. Mir sind jedenfalls noch nirgendwo welche begegnet. Nicht in der Krabbelgruppe, nicht beim Kinderturnen, nicht in der Kita, nicht am Spielplatz.

Muss denn auch immer übertrieben werden? Egal wo? In meiner Umgebung gibt es hauptsächlich ganz stinknormale Eltern, die versuchen den Drahtseilakt in der Manege der richtigen Erziehung zu bestehen.

Auf was wir heute alles hingewiesen werden, worauf Mutter zu achten hat, was man auf keinen Fall (mehr) macht und in welche Kurse man auf jeden Fall gehen sollte, damit aus dem Kind was wird.
Wehe, wenn das Kind zu viel Gläschenkost bekommt. Wehe, wenn das Kind nicht in den Pekip Kurs geht und dann womöglich das Krabbeln auslässt oder sich zuerst nach links anstatt nach rechts dreht…

Wehe, wehe. Aber wenn Du dann versucht Dich an alles zu halten und bemüht bist alles richtig zu machen, bekommst Du neben dem Mütter-Burn-Out auch noch eines wegen Übermutter und Überversorgung drüber.

Wir lassen uns von außen immer gern viel einreden. Und das ist nicht richtig.

Letztendlich kann man es selten immer richtigmachen und das müssen wir auch nicht.

Genau deshalb, weil eh immer jemand meint seinen Senf dazugeben zu müssen, haben wir den Mut und werfen die Ratgeber aus dem Fenster bzw. kaufen sie gar nicht erst.

Da sind wir mal wieder beim Bauchgefühl und bei unserer Intuition als Mutter / Eltern.

Glaubt an Euch und Euren Weg und vertraut darauf, dass Ihr es gut machen werdet.

 

Es grüßt euch

Eure Susanne